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Gelingensbedingungen der Gewaltprävention:

Deutsches Forum Kriminalprävention plädiert für systematische Entwicklungsförderung in Kindes- und Jugendalter

von Annette Schlipphak, Oberregierungsrätin, Dipl.-Psychologin BMI, Referat „Politische Bildung, Prävention und gesellschaftlicher Zusammenhalt„
und Wolfgang Kahl, Kriminaloberrat, Referent Deutsches Forum Kriminalprävention

„Nur durch aufeinander aufbauende, langjährige, die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen berücksichtigende und begleitende Prävention und Entwicklungsförderung kann eine Reduktion bzw. Verhinderung von Gewalt erzielt werden.„ Mit diesem Plädoyer endet die im Auftrag des Deutschen Forums für Kriminalprävention (DFK) von Professor Dr. Herbert Scheithauer und seinem Team (Charlotte Rosenbach und Kay Niebank) verfasste Expertise mit dem Titel „Gelingensbedingungen für die Prävention von interpersonaler Gewalt im Kindes- und Jugendalter.„
Die im April 2008 vom DFK herausgegebene Broschüre schließt mit der Darstellung und Begründung eines weit gefassten entwicklungsorientierten Präventionsansatzes eine Lücke im Wissensangebot zur Gewaltprävention.
Das DFK hatte im vergangenen Jahr die Arbeitsgruppe um Professor Scheithauer / Freie Universität Berlin gebeten, eine umfassende Darstellung der Gelingensbedingungen nachhaltiger Gewaltprävention zu erarbeiten. Auf der Grundlage einer systematischen Literaturrecherche von Metaanalysen und Reviews zu Aggression und Gewalt wurden risikoerhöhende und risikomildernde Bedingungen für die Entstehung von Gewalt identifiziert. Darüber hinaus wurden die Bestandteile von Präventionsprogrammen herausgearbeitet, die erwiesenermaßen effektiv in der Reduktion und Verhinderung von Gewalt sind. Es ist den Wissenschaftlern gelungen, die relevanten Aspekte abzuleiten, die zum Gelingen von Prävention von Gewalt beitragen. Die Ergebnisse von Wirksamkeitsstudien, Meta-Analysen und Effektivitätskontrollen haben den Autoren zufolge ergeben, dass zusammenfassend folgende Aspekte effektiv zur Prävention von Gewalt beitragen:

  • systematische Herangehensweise bei der Gestaltung von Präventionsmaßnahmen, d.h. die durchzuführenden Maßnahmen sollten theoretisch begründet (bewährte Modelle) und empirisch abgesichert (Wirksamkeitsnachweise) sein.
  • Die Berücksichtigung des Einflusses von wichtigen Entwicklungsaufgaben und Entwicklungsübergängen im Kindes und Jugendalter.
  • Die Berücksichtigung der Anzahl, Intensität und Dauer von risikoerhöhenden Bedingungen und ihrer Wechselwirkung.
  • Die Berücksichtigung von Alter und psychosozialer Entwicklung.
  • Die Berücksichtigung individueller Bedingungen und Entwicklungspfade.
  • Die Berücksichtigung multipler Risikokomponenten in Form multimodaler Maßnahmen in den Handlungsfeldern Individuum, Familie, Schule, soziales Umfeld.
  • Die Betonung der risikomildernden Bedingungen von Kindern und Jugendlichen, deren Eltern und dem sozialen Umfeld.
  • Die Fokussierung auf mehrere Komponenten (multimethodale Prävention) wie kognitive, behaviorale und affektive Aspekte.
  • Die Ausführung der Maßnahmen über längere Zeiträume.
  • Die Ergänzung universeller Maßnahmen durch selektive bzw. indizierte Maßnahmen.

Scheithauer betont insbesondere die Bedeutung universeller Maßnahmen, die auf die Förderung emotionaler und sozialer Kompetenzen bereits im frühen Alter zielen. Gewaltpräventive Effekte stellen sich bei denjenigen Kindern und Jugendlichen ein, die ein konkretes Risiko aufweisen, später gewalttätig zu werden. Aber auch Wirkungen im Hinblick auf andere Risiken (z.B. Sucht, Depression) können erreicht werden. Für Risikogruppen bedarf es im weiteren Entwicklungsverlauf selektiver / spezieller Maßnahmen und bereits gewalttätige Kinder / Jugendliche benötigen Hilfe im Sinne besonderer, indizierter Interventionen.
Die Publikation richtet sich an Präventionsfachkräfte, Wissenschaftler und Verantwortliche für Prävention in Verwaltung und Kommunen. Sie ermöglicht eine Auseinandersetzung mit Präventionsprogrammen auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse, gibt Hinweise für die Implementierung evaluierter Programme, vermittelt Anregung zur Implementationsforschung, ermöglicht eine Weiterentwicklung in der Evaluierung von Konzepten und der Erarbeitung von Katalogen für Praktiker und Politik. Weiterhin ist mit der Herausgabe der Expertise die Hoffnung verbunden, einen Beitrag zu einem entwicklungsorientierten Verständnis von Prävention zu leisten, in dem Gewaltprävention nicht erst dann einsetzt, wenn Kinder und Jugendliche auffällig werden. Akteure in den Handlungsfeldern Familie, institutionelle Betreuung, Schule und soziale Umwelt sollen ihrer jeweiligen Verantwortung besser gerecht werden können und mit einem gemeinsamen Verständnis von Entwicklungsförderung kooperieren können. Die Broschüre kann bei der DFK-Geschäftsstelle in Bonn (dfk@kriminalpraevention.de) angefordert werden.

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