Whistleblower

Whistleblower sind Personen, die trotz persönlicher Risiken illegales Handeln, Missstände oder Gefahren für Mensch und Umwelt durch Hinweise an die Öffentlichkeit aufdecken.

Begriffsherkunft 

Beim Whistleblowing (von engl. „to blow the whistle“, sinngemäß „etwas aufdecken", „jemanden verpfeifen") werden Hinweise an die Öffentlichkeit (z. B. die Medien) auf Missstände in Unternehmen, Hochschulen, Verwaltungen etc. durch einen (verdeckten) Enthüller bzw. Hinweisgeber – den sogenannten Whistleblower – gegeben. 

Geheime Informationen 

Whistleblower bringen Informationen an die Öffentlichkeit, die für die Allgemeinheit von Interesse sind, da es sich in der Regel um illegale Taten handelt, die bis dahin vertuscht bzw. geheim gehalten worden sind. Im Einzelnen handelt es sich dabei um Missstände und Verbrechen wie 

  • Betrug
  • Korruption, 
  • Insiderhandel, 
  • Datenschutzmissbrauch, 
  • Menschenrechtsverletzungen, 
  • Kriegsverbrechen sowie 
  • andere Skandale, Risken, Gefahren und Verstöße, die die Gesellschaft oder Umwelt bedrohen. 

Häufig sind Whistleblower (ehemalige) Mitarbeiter oder Kunden der jeweiligen Institution und besitzen daher interne Kenntnisse. Ihre Informationen geben sie entweder offen, anonym oder über Dritte (Mittler) preis. 

Berühmte Whistleblower 

  • William Mark Felt Sr.: 2005 deckten Reporter auf, dass der ehemalige FBI-Agent unter dem Pseudonym „Deep Throat“ einer der wichtigsten Informanten in der Watergate-Affäre war, die US-Präsident Nixon zum Rücktritt zwang. 33 Jahre lang blieb seine Identität geheim. 
  • Bradley Manning: Der US-amerikanische IT-Spezialist wurde im Mai 2010 unter dem Verdacht verhaftet, militärische Videos und Dokumente kopiert und der Website WikiLeaks zugespielt zu haben. 
  • Daniel Ellsberg: Der Mitarbeiter im US-Verteidigungsministerium gab 1971 die Pentagon-Papiere an die Presse weiter. Die brisanten Unterlagen belegen, dass die amerikanische Öffentlichkeit bewusst über den Vietnamkrieg getäuscht wurde.
  • Margit Herbst: Die deutsche Tierärztin deckte 1994 die Vertuschung der ersten BSE-Fälle auf. 
  • Roger Boisjoly: Der US-amerikanische Ingenieur warnte vergeblich vor einem Schaden an den Dichtungsringen, der schließlich zur Absturzkatastrophe der Raumfähre „Challenger“ im Jahr 1986 führte. 
  • Rudolf Schmenger und Ralf Wehrheim: Die beiden Ex-Steuerfahnder entlarvten 2009 die Steuerhinterziehung von Commerzbank und Deutscher Bank. 
  • Rainer Moormann: Der Atomwissenschaftler am Forschungszentrum Jülich deckte auf, dass der 1988 stillgelegte Kugelhaufen-Versuchsreaktor AVR jahrelang mit gefährlich überhöhten Kerntemperaturen betrieben worden war. 
  • Alexander Nikitin: Der ehemalige sowjetische Marinekapitän machte die Öffentlichkeit auf unsichere Atommülllager und gefährliche Praktiken der russischen Nordmeerflotte aufmerksam. 
  • Edward Snowden: Der ehemalige NSA- und CIA-Mitarbeiter machte die Existenz von Programmen amerikanischer und britischer Geheimdienste wie PRISM öffentlich, die der Totalüberwachung des weltweiten Internetverkehrs dienen. 

Anerkennung und Kritik 

Whistleblower genießen einerseits aufgrund ihrer Zivilcourage Respekt und Anerkennung, denn das Veröffentlichen von Geheimnissen kann negative persönliche Konsequenzen bis hin zur Strafverfolgung haben. Seit 1999 wird in Deutschland alle zwei Jahre ein internationaler Whistleblower-Preis vergeben, der die Öffentlichkeit sensibilisieren und die Preisträger unterstützen soll. Andererseits stehen Whistleblower häufig in der Kritik, werden von Politik und Medien attackiert und nicht selten selbst als „Verbrecher“ betitelt. Das Online-Portal Whistleblower Netzwerk e. V. setzt sich in Deutschland für einen besseren Schutz von Whistleblowern ein und gibt viele weitere Informationen, Links und Hilfestellungen. 

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