Editorial

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,

 

vor Ihnen liegt die September-Ausgabe unserer Fachzeitschrift „Die Kriminalpolizei“. In ihr widmen wir uns zunächst den unterschiedlichen Erscheinungsformen der Kriminalität in der trotz aller Erfolge immer noch anhaltenden Corona-Pandemie. Dabei geht es, wie es bereits im Titel heißt, „nicht allein um Cybercrime“, wenngleich dieser Deliktsbereich im vergangenen Jahr mit 7.605 Fällen bzw. 6,2 Prozent einen recht deutlichen Zuwachs entgegen dem Gesamttrend der in der Polizeilichen Kriminalstatistik verzeichneten Fälle aufzuweisen hatte. Vielmehr nimmt der erfahrene Kriminalist, Hochschullehrer und Fachautor Prof. Ralph Berthel übergreifend zu den besonderen Herausforderungen der aktuellen Kriminalitätslage Stellung und geht dabei auch auf die im Mai des Jahres bekannt gewordenen Fälle des Abrechnungsbetruges durch Betreiber von Corona-Teststellen gegenüber den Kassenärztlichen Vereinigungen in den Bundesländern ein. Neben dem Modus Operandi, der öffentlichen Empörung über diese „schwarzen Schafe“, einer intensiven Presseberichterstattung und – damit verbunden – einer Verunsicherung breiter Teile der Bevölkerung ist nach Feststellung unseres Autors die Tatsache auffällig, dass es diesbezüglich offenbar zuvor keinerlei Problembewusstsein bei den politisch Verantwortlichen sowie den ausführenden Exekutivorganen gegeben hatte.


Prof. Dr. Dennis Bock und Cathrin Lebro setzen ihren Beitrag zu „Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“ fort und schließen ihn zugleich ab. Dennis Bock gibt als Inhaber des Lehrstuhls für Deutsches und Internationales Strafrecht, Strafprozessrecht und Wirtschaftsstrafrecht an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Direktor des dortigen Instituts für Kriminalwissenschaften sowie Richter am Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgericht gemeinsam mit der an seinem Lehrstuhl tätigen studentischen Mitarbeiterin Cathrin Lebro einen umfassenden Überblick über die Bestimmungen des 13. Abschnitts des StGB. Erste Rückmeldungen zeigen, dass diese systematische Abhandlung über die relevanten Strafrechtsnormen gerade an den polizeilichen Bildungseinrichtungen auf großes Interesse stößt.


Rechtsfragen verdeckter Ermittlungsmethoden erläutern Dr. Sören Pansa und Dr. Marius Heller. Sören Pansa ist als Ober-staatsanwalt bei der Generalstaatsanwaltschaft Schleswig-Hol-stein und Marius Heller als Staatsanwalt bei der Staatsanwalt-schaft bei dem Landgericht Kiel tätig. Im ersten Teil ihres Fort-setzungsbeitrages stellen die Autoren zunächst Hintergründe

und Formen personaler Ermittlungsmöglichkeiten durch den Einsatz von Verdeckten Ermittlern, nicht offen ermittelnden Polizeibeamten, Informanten und Vertrauenspersonen dar und erläutern die dazu ergangene Rechtsprechung. Der zweite Teil des Fachaufsatzes, in dem insbesondere eine aktuelle sowie durch den BGH bestätigte Entscheidung des LG Berlin zum Einsatz Verdeckter Ermittler dargestellt und sorgfältig analysiert wird, folgt in der Ausgabe 4/2021 unserer Zeitschrift.


Einen besonderen Schwerpunkt legen wir zudem auf das Thema „Umweltschutz“ aus polizeilicher Perspektive. EPHK Uwe Jacobshagen, der die Inhalte gemeinsam mit der Redaktion koordiniert hat, thematisiert zunächst den „Umweltschutz als wasserschutzpolizeiliche Aufgabe“. Darauf aufbauend berichtet PHK Peter Berg anschaulich über die praktische Arbeit des Referats E23 der Abteilung Wasserschutzpolizei in Bremen und die damit verbundenen Anforderungen an die eingesetzten Beamten. Die Philosophie des Referats lautet: „Umweltschutz ist wichtig“.PD Olaf Hagenloch stellt schließlich unter dem Titel „Umweltschutz lernen – aber richtig“ die Bedeutung des Themas für die Wasserschutzpolizei-Schule Hamburg vor. Die drei Autoren sind erfahrene Führungs- und Lehrkräfte der zentralen Aus- und Fortbildungsstätte für die Wasserschutzpolizei, durch zahlreiche Publikationen bekannt und bringen eine umfassende Expertise zum Themenfeld des Umweltschutzes mit.


In einem weiteren Aufsatz geht es um die Pflichtverteidigerbestellung im Lichte der neugestalteten Bestimmungen der §§ 140 ff. StPO. ORR Frank Grantz nimmt zu diesem Themenkreis unter dem Titel „Anwalt der ersten Stunde“ Stellung. Frank Grantz ist Kriminalbeamter und zugleich als hauptamtlicher Dozent im Fachbereich Polizei der FHVD Schleswig-Holstein mit rechtswissenschaftlichen, kriminalistischen und kriminaltechnischen Inhalten betraut. Auf dieser Basis beleuchtet er das Themenfeld interdisziplinär und mit Blick auf die polizeipraktischen Auswirkungen.


Eine strafrechtliche Rechtsprechungsübersicht, Aktuelles aus dem Netz, Buchbesprechungen und gewerkschaftspolitische Nachrichten runden unsere Zeitschrift schließlich wie gewohnt ab.


Liebe Leserinnen und Leser, wir wünschen Ihnen viel Freude und neue Erkenntnisse beim Lesen dieser Ausgabe.


Für das Redaktionsteam


Ihr


Hartmut Brenneisen



Foto: H. Immel/GdP.