REZENSION
Grundrechte-Report 2019
Hoheitliches Handeln ist regelmäßig mit Grundrechtseingriffen verbunden. Dies ist nicht außergewöhnlich und liegt in der Natur der Sache. Dabei ist es eine Selbstverständlichkeit, dass sich die handelnden Staatsorgane an die Vorgaben der Verfassung halten. Dennoch stellen die Verabschiedung und Anwendung eingriffsintensiver Befugnisse stets eine Gratwanderung dar. Der verfasste Gesetzgeber hat Aspekte der Freiheit und Gleichheit ebenso zu berücksichtigen wie die Erfordernisse der aktuellen Sicherheitslage. Zudem sind rechtsstaatliche Sicherungen geboten, die keinesfalls als Misstrauensvotum gegenüber der Exekutivgewalt zu bewerten sind.
Eine wirkungsvolle Sicherungslinie wird durch die zivilgesellschaftliche Öffentlichkeit gezogen, die das hoheitliche Handeln aufmerksam beobachtet und auf Fehlentwicklungen hinweist. Dazu gehören auch die renommierten Bürgerrechtsorganisationen, die seit 1997 im Grundrechte-Report über festgestellte Beeinträchtigungen der Verfassungsprinzipien und individueller Grundrechtspositionen kritisch berichten. Insofern kommt dem Werk eine besondere Bedeutung zu.
Allerdings sind die Herausgeber und Autoren des Reports auch zu einem Vorgehen mit Augenmaß aufgerufen. Eine grundsätzliche Infragestellung von Freiheit, Gleichbehandlung und Menschenwürde oder die pauschale Feststellung der Erosion des freiheitlichen Rechtsstaates durch neue Polizeigesetze werden den tatsächlichen Gegebenheiten nicht gerecht. Hier wäre mehr Realismus und eine Beschränkung auf das zweifellos festzustellende Fehlverhalten im Einzelfall angezeigt. Auch die häufig fehlende Bestimmtheit und Vergleichbarkeit hoheitlicher Befugnisse könnte ein lohnenswertes Thema sein.
Trotz dieser Kritikpunkte ist der Grundrechte-Report 2019 lesenswert und eine inhaltliche Auseinandersetzung zu empfehlen.
Hartmut Brenneisen, Preetz/Worms
Herausgeber: Bellinda Bartolucci, Iris Burdinski,
Marie Diekmann, Rolf Gössner, Julia Heesen,
Martin Heiming, Hans-Jörg Kreowski, Britta Rabe, Rosemarie Will
Titel: Grundrechte-Report 2019
Format: 208 Seiten, 12,4 x 18,8 cm, SoftcoverPreis: 12,00 Euro
ISBN: 978-3-596-70434-7Verlag: Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
Service
Aktivitäten
Aktuelle Ausgabe

Mit ihrem aktuellen und vielfältigen Themenspektrum, einer Mischung aus Theorie und Praxis und einem Team von renommierten Autorinnen und Autoren hat „Die Kriminalpolizei“ sich in den vergangenen Jahren einen ausgezeichneten Ruf erworben.
Über die angestammte Leserschaft aus Polizei, Justiz, Verwaltung und Politik hinaus wächst inzwischen die Gruppe der an Sicherheitsfragen interessierten Leserinnen und Lesern. Darüber freuen wir uns sehr. [...mehr]
Meist gelesene Artikel
RSS Feed PolizeiDeinPartner.de
PolizeideinPartner.de - Newsfeed
-
Alkoholkonsum am Arbeitsplatz
Der auszubildende Handwerker, der schon in der Mittagspause das erste Bier öffnet, die Lehrerin, die ihre Probleme ...
-
Warum Baustellensicherheit vernetzt gedacht werden muss
Wenn die Polizei an eine Baustelle gerufen wird, ist der Schaden meist schon entstanden. Kabeltrommeln sind weg, der ...
-
Claude Mythos – Die nächste Evolutionsstufe der Cybersecurity-KI?
Mit „Claude Mythos“ hat das KI-Unternehmen „Anthropic“ ein KI-Modell vorgestellt, das speziell aufgrund seiner ...
-
Cyberkriminalität heute
Der „Hacker im dunklen Keller“, umgeben von Monitoren, leeren Pizzakartons und koffeinhaltigen Getränken, ist ein ...
-
Muskelaufbau um jeden Preis
Der Medikamentenmissbrauch in Fitnessstudios ist längst kein Randphänomen mehr. Experten beobachten seit Jahren, dass ...
-
Gefälschte Bankseiten
Phishing-Angriffe über gefälschte Bankseiten gehören seit Jahren zu den erfolgreichsten Methoden von Cyberbetrügern. ...
-
Selbstbedienungskassen im Einzelhandel
Wer heute im Supermarkt, im Baumarkt oder in der Drogerie einkauft, begegnet fast überall Selbstbedienungskassen, kurz ...





