Buchbesprechung
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REZENSION

Polizeibeamte als Zeugen vor Gericht – Zeugenrolle und Sachverständigenstatus

 

Eines vorweg: Anders als der Titel vielleicht suggerieren könnte, ist dies kein Buch für „Volljuristen“, welche sich einen Überblick über die genannte Materie verschaffen wollen, sondern vielmehr ein Werk für Polizisten (Zöllner, Steuerfahnder etc.), die als Zeuge/Sachverständige vor Gericht geladen wurden und sich dazu vorbereiten möchten. Und dafür ist das Buch bis auf wenige Kleinigkeiten äußerst gelungen.
Im Einzelnen: Nach einer themengerechten Einleitung folgen Kapitel über polizeiliche Ermittlungserfolge und strafrechtliche Sanktionen sowie über sämtliche an der Hauptverhandlung Beteiligte. Diesbezüglich wird allerdings nicht klar, warum sich solche Ausführungen hier finden – es hätte vollkommen gereicht, die Zeugen- und Sachverständigenrolle nach der StPO darzustellen, was wiederum sehr ausführlich und gut nachvollziehbar auf den folgenden Seiten gelingt. Wünschenswert wäre es gewesen, das nachfolgende, sehr verständliche Kapitel über die Rechte und Pflichten von Polizeibeamten in das vorherige zu integrieren.
In einem Buch wie dem vorliegenden findet man selten Ausführungen zu Missbrauch von Fragerechten und wie man als „Befragter“ damit umgeht – schön, dass Artkämper/Jakobs sich dieses Themas widmen. Da allerdings der Leserkreis ganz überwiegend aus Nichtjuristen mit wenig forensischer Erfahrung bestehen dürfte, hätten zusätzliche anschauliche Beispiele aus der Praxis diesen Teil noch lesenswerter gemacht.
Etwas breit gerät das Kapitel über die Rekonstruktion von Beschuldigtenangaben durch die polizeiliche Vernehmungsperson – die möglichen „Stolperfallen“ bei §§ 136, 136 a StPO sind inzwischen höchstrichterlich durchentschieden und dürften auch bei vernehmenden Polizeibeamten bekannt sein.
Was jeder „Polizeizeuge“ vor Gericht verinnerlichen sollte, sind Gegenstrategien bei aggressiver Befragung durch die Verteidigung. Positiv ist zu vermerken, dass die Autoren bei ihren Ausführungen Farbe bekennen durch das klare Fazit: „Ruhe bewahren!“. Und der Rezensent kann als jemand, der Aussagepsychologie neben seinem „juristischen“ Beruf betreibt, ergänzend hinzufügen, dass viele aggressive Befragungsvorstöße der Verteidigung bestenfalls das Werfen von Nebelkerzen darstellen und der dadurch erreichte Informationsgewinn gegen Null tendiert. Überhaupt sollte sich jeder Zeuge die im Buch vorhandene detaillierte Checkliste (an späterer Stelle übrigens auch für den polizeilichen Sachverständigen!) zur Aussagevorbereitung im Falle der Fälle nochmals anschauen – sie wirkt äußerst hilfreich und beruhigend.
Als ein Novum in einem Buch der vorliegenden Art ist die sehr ausführliche und gelungene Darstellung über die Rolle des Polizisten als Sachverständigen zu bezeichnen – sicherlich auch der praktischen Notwendigkeit geschuldet. Immer häufiger nehmen Mitarbeiter der kriminalpolizeilichen Spurensicherung aufgrund ihrer Ausbildung Sachverständigenaufgaben war, und die durch sie erlangten Ergebnisse müssen sie anschließend vor Gericht vertreten – eine Rolle, die Objektivität und Neutralität verlangt, auf die Mitarbeiter oftmals unzureichend vorbereitet sind. Gut zu notieren, dass vorliegendes Werk hier Abhilfe schafft, zumal auch deutlich auf etwaige Konsequenzen (Schadensersatz, Befangenheit) hingewiesen wird.
Quintessenz: Das Buch ist jeden Cent wert und sollten bei allen polizeilichen Mitarbeitern auf dem Schreibtisch stehen – oder zumindest in der Behördenbibliothek.

RiAG (sV) Martin Hussels, Tettnang


Autor: Heiko Artkämper, Carola JakobsTitel: Polizeibeamte als Zeugen vor Gericht – Zeugenrolle und Sachverständigenstatus, Auflage: 1. Auflage 2017
Format: 264 Seiten, DIN A 5, Broschur
Preis: 19,99 Euro
ISBN: 978-3-8011-0788-8
Verlag: Deutsche Polizeiliteratur GmbH, Buchvertrieb

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