Kriminaltechnik und -Wissenschaft

Erkennung und Prävention von Brandstiftungsdelikten durch Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr

– Bericht über ein Forschungsprojekt am Lehrstuhl für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft an der Juristischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum – 

von Sicherheitsfachwirt (FH) Frank D. Stolt MSc, MIFireE, cand. PhD

Frank D. Stolt

Im Herbst 2006 begann der Autor aufgrund einer Anregung aus der Arbeitsgemeinschaft Branddelikte der Deutschen Gesellschaft für Kriminalistik e.V., in einem ersten Schritt das Phänomen Brandstiftungsdelikte durch Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr mit sozialwissenschaftlichen und kriminologischen Fragestellungen und Methoden in einem Forschungsprojekt am Lehrstuhl für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft an der Juristischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum (Leitung: Prof. Dr. Thomas Feltes MA) zu untersuchen. Vornehmlich ging es um die die jüngste Entwicklung, speziell in den Ländern Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt mit sozialwissenschaftlichen und kriminologischen Fragestellungen und Methoden in einem Forschungsprojekt am Lehrstuhl für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft an der Juristischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum (Leitung: Prof. Dr. Thomas Feltes MA) zu untersuchen.
Dabei ging der Autor von der Überzeugung aus, dass es sich bei Brandstiftungsdelikten von Mitgliedern der FF um eine symptomatische Erscheinung handele: Fälle von Brandstiftung durch Angehörige der FF nehmen absolut und relativ zu, die durch sie verursachten Schadenssummen erreichen eine volkswirtschaftlich bemerkenswerte Höhe und die ständige Berichterstattung in den Massenmedien lassen Brandstiftung durch Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr schon als ein selbstverständliches Alltagsereignis in unserer Gesellschaft erscheinen. In diesem Zusammenhang sind auch die Äußerungen des stellvertretenden Landesvorsitzenden des Landesfeuerwehrverband Dietmar Zgaga im Artikel im Hamburger Abendblatt zu verstehen, wonach seiner Meinung die meisten Brandstifter Feuerwehrleute sind und die polizeilichen Ermittlungen sich deshalb auch immer in diese Richtung bewegen sollten.1 

Mit der Veröffentlichung dieses ersten Zwischenberichtes sollen zwei Ziele verfolgt werden: Zum einen soll der schwerpunktmäßig quantitative empirische und qualitative, sinnverstehende und interpretative Ansatz bei den Erhebungen und der Aufbereitung von Daten für diese Arbeit einem breiteren interessierten Publikum konzentriert und nachvollziehbar vorgestellt werden. Und zum anderen hofft der Autor, über diesen Beitrag zu den ersten Ergebnissen dieser Forschungsarbeit auf die konstruktive Kritik der Leser sowie eine breite Diskussion zu den noch zu klärenden Fragen.


Hypothese: Gruppenspezifische Motive für Brandstiftung durch Feuerwehrangehörige

Aufgabe der Untersuchung ist es, zu prüfen, ob dieser erste Eindruck richtig ist2 und, wenn ja, worin denn die Zusammenhänge zwischen sozialen, psychischen, organisatorischen Problemen und der Zunahme von Brandstiftungen durch Angehörige der Freiwilligen Feuerwehren bestehen. Es wird erwartet, dass bei einer Klärung solcher Hintergründe Erkenntnisse gewonnen werden, aus denen praktische Konsequenzen für Vorsorge und Aufklärung im Zusammenhang mit diesem Brandstiftungsgeschehen entwickelt werden können, weil das Tatmotiv wichtige Hinweise auf den Täter liefern kann. Das Ziel ist es, ein praxisnahes Präventionsmodell zur Vorbeugung von vorsätzlichen Brandstiftungen durch Angehörige der FF zu erarbeiten und praktikable Wege zur Umsetzung in die Praxis aufzuzeigen. Dazu gehört auch ein Modell für die Schulung von Leitern und Ausbildern bei der FF zu entwickeln. In diesen Schulungen soll dieser Personenkreis für mögliche „anfällige„ Heranwachsende in der FF sensibilisiert und zur Vorbeugung in Stand gesetzt werden. 
Der zunächst enge zeitliche, finanzielle und personelle Rahmen einer solchen ersten Untersuchung erlaubte selbstverständlich nur ein sehr anfängliches Vortasten in die Problematik. Aus diesem Grund konnte es allein darum gehen zu ermitteln, ob überhaupt eine solche Fragestellung sinnvoll weiterverfolgt werden kann, und darüber hinaus schon einige plausiblere Hypothesen zu formulieren. Es wird davon ausgegangen, dass durch eine gezielte Personalentwicklung und -betreuung von Einsatzkräften der FF und ein Präventionsmodell auf der Grundlage rechtlicher, kriminalistischer, kriminologischer, sozialpädagogischer und psychologischer Erkenntnisse die Wahrscheinlichkeit einer Begehung von vorsätzlichen Brandstiftungsdelikten durch Angehörige der FF verringert werden kann. Dabei wurde unser Vorhaben auf zweierlei Ziele eingegrenzt: einmal sollte das vorhandene Material – in bereits vorliegenden Untersuchungen und anderen Veröffentlichungen – unter den relevanten Gesichtspunkten wie soziale und rechtliche Stellung der Freiwilligen Feuerwehren, institutionelle Bedingungen, soziologische und kriminologische Erkenntnisse zu Branddelikten durch Angehörige der FF, kriminologische und soziologische Methoden, gesichtet und bewertet werden, wobei auch daran zu denken war, die dabei auftauchenden Primärdaten einer Sekundäranalyse zu unterziehen. Zum anderen wollten wir dann versuchen, auch schon eigene Datensammlungen und -analysen anzusetzen, was natürlich nur in einem regional begrenzten Rahmen sinnvoll und möglich war.

Datenmaterial unbefriedigend

In den ersten Wochen standen im Vordergrund das Bemühungen die Sammlung und Sichtung des unmittelbar zugänglichen Materials und der zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Untersuchungen. Dabei stützt sich diese Arbeit u.a. auf die Datenbank „Brandstifter-Informations- und Analysesystem„ (BIAS) beim LKA Brandenburg, die mit Unterstützung des LKA durch Studierende der Fachhochschule der Polizei des Landes Brandenburg miterstellt und ausgewertet wurde. Auf der anderen Seite stand eine umfangreiche Literaturrecherche. Diese Recherche in der vorhandenen wissenschaftlichen Literatur über Täter- und Motivanalysen bestärkte die Erwartung, dass man für die Verhütung von Brandstiftungen durch Angehörige der FF verwertbare Ergebnisse erhalten werde, wenn man mehr über die Täterschaft und ihre typischen Motive erfährt. 
Nach näherem Studium stellte sich aber heraus, dass die Motive für Brandstiftung durch FF-Angehörige hinsichtlich deren Motiven weitgehend uneinheitlich sind und dass es beim derzeitigen Erkenntnisstand bislang fast unmöglich war, sie mit soziologischen, sozialpsychologischen, psychologischen, kriminologischen oder klinisch-medizinischen Ansätzen einhellig zu typisieren bzw. zu klassifizieren.
Zwar gelingt schon seit längerer Zeit bei einzelnen Tätern eine einleuchtende individualpsychologische Analyse, wie die vielen Falldarstellungen in psychiatrischen, gerichtsmedizinischen und psychologischen Veröffentlichungen zeigen.3 
Dank des Zugriffs auf das sehr zuverlässige und umfangreiche Datenmaterial, der durch das verständnisvolle Entgegenkommen der Fachhochschule der Polizei des Landes Brandenburg und des LKA Brandenburg und dort besonders des Projektleiters Kriminalhauptkommissar Harry Jäkel möglich war, kann in diesem Beitrag aber einen erster Ansatz für eine gruppenspezifische Typisierung der Tätermotive vorgestellt werden. 

Arbeitshypothese erfolgversprechend

Die Befunde zeigen, dass der eingeschlagene Weg sinnvoll ist und die Erwartungen, die in der Grundhypothese oben skizziert worden sind, zu erfüllen verspricht. Die bei anderen zuständigen Stellen – Versicherern und Feuerwehren - vorliegenden Datensammlungen und Statistiken reichen bei weitem nicht aus, um dies leisten zu können. Daher hat sich der Autor, der seiner der Meinung nach aufschlussreichsten Quelle zugewandt, dem „Brandstifter- Informations- und Analysesystem„ (BIAS) beim LKA Brandenburg. Jäkel vom LKA Brandenburg spricht in diesem Zusammenhang über das „Feuerwehrmotiv„ – Brandstifter als Angehörige der FF, die sowohl Drang nach sozialer Anerkennung als auch Sensationsbedürftigkeit bewegen.4 „Die überwiegende Mehrheit der brandstiftenden Jugendlichen und Heranwachsenden, die in der Freiwilligen Feuerwehr eingebunden waren, wollten sich durch besonderes Engagement beim Löschvorgang hervortun„.5 Dieses besondere Geltungsstreben lässt deutlich auf vorhandene Minderwertigkeitsgefühle schließen. „Die Brandstiftungen können... den Versuch darstellen, Kontrolle über die Umwelt und Umgebung zu erlangen, die der Täter auf keine andere Weise jemals innehatte„.6 Ähnliche Motivlagen werden auch in der Diplomarbeit von Mathias Funk und Alexander Heine an der Fachhochschule der Polizei Brandenburg dargestellt.7 
Hieraus und aus weiteren von uns erfassten Daten ergeben sich darüber hinaus Schlüsse auf die Tatumstände und die Täterschaft von Angehörigen der FF als Brandstifter. Sie heben sich in einigen wesentlichen Punkten von anderen Brandstiftern dadurch ab, dass sie nicht suizidal gefährdet sind, Beziehungsstörungen einen geringeren Stellenwert einnehmen und der Vater oft als übermächtig und autoritär empfunden wird.
Die erste Auswertung des Datenmaterials zeigt jedoch, dass nur selten einzelne Tatmotive allein Tatauslösend sind, vielmehr stellt sich ein ganzes Bündel an Motiven oder Problemketten dar. Weitere Motivlagen können sein: Ohnmachtsgefühle, der besondere „Kick„ bei Blaulichtfahrten und beim Löschen, die Abfuhr aggressiver Impulse, Wut Langeweile im Beruf und Freizeit oder Teilnahme an Mutproben.

Risikofaktoren bei gefährdeten Personen

Ralf Fischer, stellvertretender Vorsitzender im Landesfeuerwehrverband NRW, hat eine Reihe von Risikopunkten für Brandstifter in der FF herausgearbeitet: u.a. Alter unter 25 Jahren, wenige Jahre Mitgliedschaft in der FF, schlechte schulische Leistungen, schlechte berufliche Situation, Minderwertigkeitsgefühle, Übereifer in der Feuerwehr, rasche Anwesenheit bei „verdächtigen Bränden„, übertriebene Schilderungen der eigenen Leistungen bei der Brandbekämpfung, Meldung des Brandes, Vorstrafen wegen Missbrauchs von Notrufen oder Brandstiftung so-
wie Alkohol- und oder Drogenmissbrauch.8 

Sicherheitsfachwirt (FH) Frank D. Stolt MSc, MIFireE, cand. PhD Sachverständiger für Brand- und Explosionsursachenermittlung Gastdozent unter anderem an der Ruhr-Universität Bochum Der Autor ist Sachverständiger für Brand- und Explosionsursachenermittlung. Nach seinen Studium an einer Fachhochschule der Polizei und weiteren Studien zur Gefahrenabwehr/Brandschutz u.a. an der Technischen Fachhochschule Berlin und Universitäten in UK, USA und Österreich sowie dem Studium der Kriminologie und Polizeiwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum, absolviert der Autor derzeit ein Promotionstudium. Auslandspraktika führten ihn zu Feuerwehren und Polizeibehörden u.a. nach USA, UK, Polen, Österreich und Schweiz. In postgradualen Studiengängen bildete sich der Autor zum geprüften Sachverständigen für vorbeugenden Brandschutz (EIPOS) weiter und besitzt den österreichischen Brandschutzpass. Das Profil des Verfassers wird durch seine langjährigen praktischen Erfahrungen bei der Brandbekämpfung in der Freiwilligen Feuerwehr ergänzt. Neben diversen anderen Qualifikationsnachweisen hat er auch den Lehrgang F VI (Leiter Feuerwehr) absolviert. In den letzten Jahren arbeitete der Autor wissenschaftlich zu verschiedenen kriminalistischen und kriminologischen Fragestellungen bei Branddelikten. Als Gastdozent lehrt er an mehreren Fachhochschulen der Polizei, dem Institut der Feuerwehr NRW, der Bundeswehr, dem Haus der Technik Essen sowie der Ruhr-Universität Bochum. Hinzu kommen Fachbücher und sehr viele Fachartikel zu Fragen der Methodik der Brandursachenermittlung in verschiedenen nationalen und internationalen kriminalistischen, naturwissenschaftlich-technischen und feuerwehrtechnischen Fachzeitschriften. Die E-Mail-Adresse des Autors: brandermittlung@t-online.de


Risikofaktoren innerhalb der Organisation 

So interessant auch weiterhin die Analyse der Täterschaft bei Brandstiftungen sein dürfte, so schien es doch ebenso interessant, die Aufmerksamkeit vom Täterzusammenhang auf die spezifischen sozialen und rechtlichen Verhältnisse in den Freiwilligen Feuerwehren und deren institutionelle Bedingungen umzulenken. Dabei wird von der Hypothese ausgegangen, dass bestimmte Gruppensituationen in Freiwilligen Feuerwehren und ihr jeweiliges Umfeld eher Angehörige zur Brandstiftung animieren als andere. Mit Hilfe der Erforschung solcher Zusammenhänge zwischen dem Gruppenklima und Brandstiftern in der FF soll das Brandstiftungsgeschehen ebenfalls mit empirisch gesicherten Daten verdeutlicht werden, so dass zugleich Überlegungen zur Brandstiftungsprophylaxe gezielter und damit Erfolg versprechender angestellt werden können und dass schließlich auch aus den dabei gewonnenen Erkenntnissen indirekt wichtige Einsichten über Täter und ihre Tatbedingungen möglich werden, welche die Prävention auch hier voranbringen könnte. Trotz rückläufiger Brandeinsatzzahlen steigen die Anforderungen an Feuerwehrleute. Der Aufwand bei der Aus- und Weiterbildung sowie die Anforderungen im Einsatz stehen zunehmend in einem Missverhältnis. Insbesondere junge Feuerwehrmänner fühlen sich unterfordert und frustriert. Hinzu kommt, dass oft in den Wehren ein generationsübergreifender Austausch nicht stattfindet. Die „alten Kämpfer„ schwärmen nicht nur in Biertischlaune den „Neuligen„ von ihren längst vergangenen großen Zeiten vor und erschaffen so immer neue „Heldenmythen„. Doch die Realität sieht eben oft anders aus. Mangelnde Möglichkeiten sich im Einsatz zu beweisen, zusätzliche Enttäuschungen durch nicht transparente oder ungerechte Beförderungen, die Rückstellung von der Entsendung zu Lehrgängen oder der Wille etwas „Gutes„ für die Feuerwehr zu tun, provozieren dann nicht selten bei labilen Persönlichkeiten die Bereitschaft für eine Brandstiftung. „Eine wirksame Ausstrahlung der Jugendsozialisation auf die spätere Biografie des jungen Erwachsenen wird dadurch eingeschränkt, dass eben die überkommenen Übergänge ins Erwachsenenalter heute entgrenzt, somit Rollenmodelle für die Integration in die Erwachsenengesellschaft für viele nicht mehr greifbar sind und damit die Suche nach einem sozialen Platz in der Gesellschaft auch in diesem Alter noch mit der Auseinandersetzung mit sich selbst zusammenfällt.„9 Aber auch der sehr geringe Anteil von Frauen – obwohl in den letzten Jahren zunehmend - und Migranten bzw. Personen mit Migrationshintergrund und die Auswirkungen auf die Gruppenverhältnisse müussen noch weiter untersucht werden.



Risikofaktor Bewerberauswahl

Ein weiteres Problem in diesem Zusammenhang birgt die Organisationsform der Freiwilligen Feuerwehr als Verein bereits in sich. Die Mitgliedschaft in der FF ist neben einigen formalen Kriterien (z.B. Volljährigkeit, Gesundheitstauglichkeit) von keinen überdurchschnittlichen Fähigkeiten des Bewerbers abhängig, wie dies zum Beispiel in einem Sport- oder Schachverein von Bedeutung wäre. Die Freiwilligen Feuerwehren stehen also jedem/jeder offen. 
Eine Auswahl der Bewerber über speziell geforderte kognitive, physische, motorische oder soziale Fähigkeiten findet nicht statt. Dies hatte zur Folge, dass in den letzten Jahrzehnten mit allgemein erheblichen Rückgängen bei der Mitgliedschaft in anderen Jugendorganisationen die Jugendfeuerwehren und im Übergang die Freiwilligen Feuerwehr keinen Mitgliedermangel zu beklagen hatten. Dies hat sich in den letzten Jahren zwar etwas relativiert.10 Dennoch bleibt die Bewerberzahl – trotz der Rückläufigkeit – im Vergleich mit anderen Organisationen weiterhin hoch. Allerdings ist muss dafür mit einem hohen Preis gezahlt werden, nämlich dass die Auswahl der Bewerber nur sehr oberflächlich geschehen kann. Hinzu kommen der Datenschutz und die fehlenden Rechtsgrundlage für die Einholung von weitergehenden Auskünften über den Bewerber. Diese Maßnahmen sind ausschließlich der Polizei, und dies auch nur bei konkreten Verdachtslagen, vorbehalten. Es kommt hinzu, dass Präventionsansätze zur Verhinderung von Brandstiftungen durch Angehörige der FF bisher kaum vorhanden sind. Aufbauend auf ein neuseeländisches Konzept, dass die Aufnahme von potentiellen Brandstiftern in die Feuerwehr wirkungsvoll verhindern soll, wird seit den 90er Jahren nach einer Serie von Brandstiftungen durch 11 Angehörige der FF bei der Feuerwehr Köln ein Präventionsprogramms angewandt.11 Dabei wird auch auf die Kriterien von Fischer (s.o.) zurückgegriffen. Grundlage ist ein formelles Auswahlverfahren mit den drei Hauptelementen: Bewerbungsformular, Polizeiliches Führungszeugnis und eine strukturierte Interviewvorlage für das Aufnahmegespräch durch die Wehrleitung.
Bevor einzelne Ergebnisse als Anregungen für Präventionsmöglichkeiten kurz dargestellt werden, sollen hier zwei besonders wichtig erscheinende Befunde zusammenfassend herausgehoben werden. Dies geschieht ausdrücklich mit dem Vorbehalt, dass wegen der relativen Kürze des Forschungsprojektes sowie der örtlichen Beschränkung auf Brandenburg und in Teilen Sachsens und Sachsen-Anhalts und wegen der noch sehr groben Datenerfassung und -analyse diese Ergebnisse noch nicht ausreichend gesichert verallgemeinert werden können. Trotz einer sehr umfangreichen wissenschaftlichen Literatur zu Tatmotiven von Brandstiftern und deren psychischen, sozialen und medizinischen Ursachen sind die Besonderheiten bei Brandstiftungen durch Feuerwehrangehörigen bisher aber kaum umfassend untersucht. Auf der anderen Seite muss akzeptiert werden, dass mögliche Fehlentwicklungen in der Persönlichkeitsentwicklung bzw. Sozialisation nicht generell auszuschließen sind. Aus diesem Grund werden auch trotz aller Bemühungen sich Brandstiftungen aus den Reihen der Freiwilligen Feuerwehren nicht verhindern lassen. Hier besteht noch ein entscheidender Bedarf bei der Weiterführung dieses Forschungsprojektes. Zum zweiten können hingegen folgende Ergebnisse als gesichert gelten. Brandstiftungen aus den Reihen der FF werden derzeit ausschließlich von jüngeren männlichen Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr verübt. Diese tun sich durch besonderes Engagement beim Löschvorgang, verbunden mit ihrem Geltungsstreben, hervortun.

Mögliche Präventionsmaßnahmen

Als bisheriges Fazit dieser Forschungsarbeit für die Prävention kann folgende festgehalten werden. Präventionsmaßnahmen bieten sich in zwei Phasen an. 
Bei der Aufnahme neuer Feuerwehrmitglieder sollten schon solche Bewerber erkannt werden, bei denen ein erhöhtes Risiko besteht, dass sie sich als Brandstifter betätigen könnten. („Kölner Modell„) Die Prävention sollte also bereits beim Übergang von der Jugendfeuerwehr bzw. dem Beitritt oder Wechsel beginnen. Diese Bewerber mit einem erkennbaren Risiko zur Brandstiftung sollten dann nicht oder nur bedingt in die Feuerwehr aufgenommen werden. Die Klassifizierung und Typologisierung von Täterprofilen könnte bei dieser Personalauswahl sich als hilfreich erweisen. Allerdings wird ein umfassendes „Screening„ der Bewerber wie bei einer medizinischen Vorsorgeuntersuchung nicht möglich sein.
Zusätzlich sind im laufenden Dienstbetrieb präventive Maßnahmen erforderlich. In einer Zeit abnehmender materieller, finanzieller und personeller Ressourcen muss die strategische Einbindung der Freiwilligen Feuerwehren in neue Konzepte für den Brandschutz überdacht werden. Dabei sollten gezielt die Stärken des Ehrenamtes und die Motivation der Feuerwehrangehörigen einbezogen werden. Darüber hinaus muss die Feuerwehr in ihrer Organisation auf diese sich verändernde Wirklichkeit vorbereitet sein. Eine entscheidende Bedeutung kommt dabei dem Gruppenklima sowie der Führungstätigkeit zu. Das Problem Brandstiftung durch angehörige der FF darf weder heruntergespielt noch tabuisiert werden. Grundsätzlich muss unmissverständlich Klarheit über die Haltung in der Mannschaft sowie der Feuerwehrleitung zur Problematik der Brandstiftung durch Feuerwehrangehörige bestehen.
Für die Aus- und Fortbildung von Führungskräften der Feuerwehren sind neue Schulungskonzepte, die speziell auf diese Problematik eingehen, zu entwickeln. Die Entwicklung von Schulungskonzepten und die praktische Umsetzung sind integrierter Teil dieser Forschungsarbeit. Erste Gespräche für die praktische Umsetzung entsprechender Fortbildungsangebote wurden bereits mit dem Institut der Feuerwehr NRW in Münster geführt. Neben den aufgeführten Maßnahmen zur Prävention durch Früherkennung muss auch über mögliche Sanktionen durch die Feuerwehr beim Verdacht auf Brandstiftung oder bei einer nachgewiesenen Straftat erneut nachgedacht werden. Dabei sollten im Blick auf eine Prävention in der Zukunft die Tatmotive, die Tätertypisierung und andere Umstände, die zur Tat führten, bewertet werden. Eine – wie vom DFV empfohlene – generelle Suspendierung bzw. der Ausschluss ist u.U. geeignet, das Image der betroffenen Freiwilligen Feuerwehr wiederherzustellen.12 Jedoch wird es dem Einzelfall unter Umständen nicht gerecht. In der Forschungsarbeit wird unter anderem darauf verwiesen, dass das Handeln des Täters für ihn Sinn macht. Es ist daher unbedingt notwendig, Zugang zu seiner Wirklichkeit zu finden, um ihn zum Lernen zu bewegen. Das methodische Vorgehen zur Überprüfung dieser Arbeitshypothese wird von soziodemographischen Datensammlungen und von qualitativen Arbeiten z.B. Analysen von Täterbiographien und Interviews bestimmt. In diesem Zusammenhang kann gerade ein Verbleiben unter entsprechenden Auflagen und Betreuung in der Wehr angezeigt sein.13

Weiterführende Informationen 

Auf PolizeiDeinPartner.de finden Sie hilfreiche Informationen zum Thema Brandschutz. Für private Gebäude steht z.B. folgender Artikel zur Verfügung: Brandschutz: So handeln Sie richtig, für gewerbliche Objekte finden Sie Neue Wege im gewerblichen Brandschutz

- See more at: www.kriminalpolizei.de/themen/technik/detailansicht-technik/artikel/brandursachenermittlung-erfahrung-oder-wissensch.html

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- See more at: www.kriminalpolizei.de/themen/technik/detailansicht-technik/artikel/brandursachenermittlung-erfahrung-oder-wissensch.html

Weiterführende Informationen

 Auf PolizeiDeinPartner.de finden Sie hilfreiche Informationen zum Thema Brandschutz. Für private Gebäude steht z.B. folgender Artikel zur Verfügung: Brandschutz: So handeln Sie richtig, für gewerbliche Objekte finden Sie u.a. Neue Wege im gewerblichen Brandschutz



Fußnoten

1 „Die meisten Brandstifter sind Feuerwehrleute„ in: Hamburger Abendblatt vom 12.06.06
2 In der Fachempfehlung Nr. 3/2004 vom 21. Juni 2004 „Feuerwehrleute sind keine Brandstifter - Hinweise für die Öffentlichkeitsarbeit„ heißt es u.a.: „Jährlich werden in Deutschland etwa ein Dutzend Fälle bekannt, bei denen ein Feuerwehrmann Brandstifter war. Dies entspricht etwa 0,3 Promille aller Brandstiftungen bzw. einem Verhältnis von 1:3.000.
3 In diesem Zusammenhang sind die Arbeiten von Bauer, Barnett, Breitfeld, Bondü, Doley, Fischer, Helmer, Krakowski, Spöhr, Suffrain, White u.a. zu nennen.
4 Jäkel, H (1999): Täterprofiling bei vorsätzlichen Brandstiftungen – in: Die Kriminalpolizei, Hilden 17, Heft 3, S. 173 – 179
Jäkel, H. und Wirth, I. (2003): Brandkriminalität: Untersuchung zu vorsätzlichen Brandstiftungen – in: Der Kriminalist, Lübeck, Heft 6, S. 236-239
5 Klosinski, G., Bertsch-Wunram, S. L.(2003): „Jugendliche Brandstifter„. Kohlhammer Verlag, S. 71
6 Klosinski, G., Bertsch-Wunram, S. L.(2003): „Jugendliche Brandstifter„. Kohlhammer Verlag, S. 77
7 Funk, M. und Heine, A. (2001): „Täterprofile von Brandstiftern„, Diplomarbeit an der FH der Polizei des Landes Brandenburg
8 Fischer, R.: „Brandstiftung durch Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr„ in: Der Feuerwehrmann
1-2/2004
9 Böhnisch, L. (2004): Männliche Sozialisation – Eine Einführung, S. 184
10 nach Angaben des Deutschen Feuerwehrverbandes
11 Neuhoff, St., Maurer, K.: „Brandstifter in der Feuerwehr„, in: Brandschutz 7/2001, S. 611
12 Fachempfehlung Nr. 3/2004 vom 21. Juni 2004 „Feuerwehrleute sind keine Brandstifter - Hinweise für die Öffentlichkeitsarbeit„
13 Möbius Th., Klawe, W. (Hrsg.), (2003): AIB - Ambulante Intensive Begleitung. Handbuch für eine innovative Praxis in der Jugendhilfe, Weinheim, Berlin, Basel
Gehrmann, G., Müller, K. D., (2001): Praxis Sozialer Arbeit: Familie im Mittelpunkt, Effektives Krisenmanagement für Familien. Regensburg
Schmidt, M. H., (2000): Neues für die Jugendhilfe? Ergebnisse der Jugendhilfe-Effekte-Studie, in: Deutscher Caritasverband e.V. und Bundesverband katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfen e.V. (BVkE) (Hg.). Freiburg/Breisgau Thiersch, H. (1992): Lebensweltorientierte Soziale Arbeit. München und Weinheim