Wissenschaft  und Forschung

Quo Vadis Occidens

Wohin steuert der Westen?

 

5 Ausblick


Die Menschheit steht vor einer historischen Zäsur. Wurde die Welt zu Zeiten des Kalten Kriegs im 20. Jahrhundert von zwei sich feindlich gegenüberstehenden Atom-Mächten – der Sowjetunion und den USA – dominiert, so konkurrieren heutzutage u.a. mit den USA, China, Indien und Russland zahlreiche Systeme, die zudem auch alle Atommächte sind, um die globale Teilhabe bzw. Vorherrschaft. Auch Europa ist keine Insel der Glückseligen mehr, wie der mittlerweile seit mehr als vier Jahren andauernde Ukraine-Krieg schonungslos offenbart. Neben dem Leid, das Russland mit seinem Angriffskrieg über die Ukraine gebracht hat, zeigt diese Entwicklung, dass militärische Konflikte auch in Europa wieder möglich sind. Der Multilateralismus weicht bereits seit der Präsidentschaft von George W. Bush einem zunehmenden Unilateralismus. Nationalstaatliches Denken und nationale Egoismen stellen die westliche Werte- und Rechtsordnung in Frage und verdrängen weltweit das Völkerrecht und eine regelbasierte Ordnung. Ein neuer Interventionismus in Ost und West hat längst Einzug gehalten. Ihm geht es weder um die Durchsetzung von Menschenrechten noch um einen „Regime Change“ und somit um grundlegende systemische Veränderungen in den intervenierten Ländern, sondern um eine Anpassung, d.h. um einen Austausch der Führungskräfte. Dabei werden die bestehenden Strukturen nicht angetastet, wie das Beispiel Venezuela gezeigt hat.12


Unverkennbar klopft eine neue Weltordnung an die Tür und begehrt Einlass. Europa und Deutschland müssen sich in dieser neuen Welt schnellstmöglich zurechtfinden und sich entschlossen und geeint den Herausforderungen der Zeit gemeinsam stellen. Mehr Freiheitsgeist und Wehrhaftigkeit und weniger Ohnmachtsgefühle wären dabei hilfreich. Trotz aller Korruptionsaffären taugen vor allem die heldenhaft kämpfenden Ukrainer an dieser Stelle als Vorbild.


Um in dieser „neuen“ Welt bestehen zu können, muss Europa geeinter und eigenständiger werden, ohne dadurch den Kontakt zu den USA zu verlieren. Trotz aller (berechtigten) Kritik an den USA im Allgemeinen und an seinem gegenwärtigen Präsidenten im Besonderen sollten sich Deutschland, Europa und die USA immer wieder ihrer gemeinsamen Werte vergewissern. Sie müssen weiterhin Teil der westlichen Wertegemeinschaft und ihrer Bündnisse EU und NATO sein, denn andere Großmächte wie China und Russland mit ihren autokratischen bzw. diktatorischen und repressiven Regimen stellen keine ernstzunehmende Alternative zum Westen und seiner liberalen Demokratie dar.


Bildrechte: Kay Herschelmann.

 

 

Save the date: 21. Jahrestagung der DGfK


Vom 18. bis 20. Oktober 2026 findet die 21. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kriminalistik (DGfK) statt. Unter dem Titel „Kriminalität im Wandel – Eskalation und neue Brennpunkte“ bringt die Veranstaltung, die in diesem Jahr in Wien stattfindet, namhafte Expertinnen und Experten aus Kriminalistik, Kriminalpsychologie, Kriminaltechnik, Sicherheitsforschung und Justiz zusammen.


Drei Tage lang werden aktuelle Entwicklungen und neue Brennpunkte vorgetragen und wissenschaftlich eingeordnet. Traditionell vorangestellt ist die Mitgliederversammlung am 18. Oktober vor Tagungsbeginn.


Die Tagung versteht sich als Forum für die kriminalistische Wissenschaft und Praxis – für Polizei, Sicherheitsbehörden, Justiz, Forschung und Ausbildung.


Kriminalistik lebt vom Austausch. Die Jahrestagung bietet dafür den Raum – für neue Perspektiven, fachliche Tiefe und Begegnungen, die bleiben (https://kriminalistik.com).


Daniel Smeritschnig, Wien

 

 

Anmerkungen

 

  1. Dr. Udo Baron ist seit 2008 als Referent für den Bereich Linksextremismus und seit 2021 auch für den Bereich Extremismus mit Auslandsbezug im Niedersächsischen Verfassungsschutz zuständig
  2. Der Name der Bewegung bezieht sich auf die Boston Tea Party von 1773 als Einwohner Bostons Tee der britischen East India Trading Company aus Protest gegen die britische Kolonialregierung in das Hafenbecken warfen.
  3. Vgl. Manfred Berg, Make The Donald Great Again Trumps Aufstieg und Comeback in einer polarisierten Gesellschaft v. 9.5.2025, in: Aus Politik und Zeitgeschichte (APUZ), www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/maga-2025/561890/make-the-donald-great-again/ (gel. am 11.3.2026).
  4. Vgl. Tjerk Brühwiller, Die unbehelligte Tyrannei, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 13.2.2026, S. 10.
  5. O.V., Was steckt hinter der „Donroe“-Doktrin von US-Präsident Trump?, in:  Deutschlandfunk v. 6.1.2026, www.deutschlandfunk.de/trump-donroe-doktrin-monroe-usa-aussenpolitik-100.htm (gel. am 23.2.2026).
  6. Paul Dans/Steven Groves, „Mandat zur Führung: Das konservative Versprechen“.
  7. Melissa Gira Grant, Phillip Maciak, Phillip Maciak, Osita Nwanevu, Osita Nwanevu, Timothy Noah, Aaron Gell, The Right Is Winning Its War on Schools, in: The New Republic v. 4.1.2024.
  8. Majid Sattar, Trumps oberster Hexenjäger, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 21.9.2025.
  9. O.V., 65 Prozent sehen USA als Gefahr, in: Hannoversche Allgemeine Zeitung v. 11.2.2026, S. 1.
  10. Vgl. Nikolas Busse, Die Abschreckung bröckelt, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 4.2.2026, S. 8.
  11. Vgl. David Preisendanz, Warum nicht deutsche Soldaten in die Ukraine?, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 4.2.2026, S. 8.
  12. Vgl. Jannis Koltermann, Unterstellte Konsistenz, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 4.3.2026, S. 9.

 

 

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