Messerangriffe
Die tödliche Gefahr
Von KHK a.D. Ralf Schmidt, Wiesbaden1

Immer mehr Menschen in Deutschland sehen es offensichtlich als völlig legitim an, zur Durchsetzung ihrer kriminellen Interessen Polizisten anzugreifen, sie schwer zu verletzten oder zu töten – Tendenz: steigend. Die Statistiken zeigen einen rasanten Anstieg bei den Angriffen auf Polizeibeamte. Jedes (!) polizeiliche Einschreiten birgt potenziell die Gefahr einer Hochrisikosituation in sich. Wenn der Angreifer Messer oder andere gefährliche Werkzeuge einsetzt, kann es in Bruchteilen von Sekunden lebensgefährlich werden. Körperlich und mental unvorbereitet, kommt es in diesen Einsatzlagen oft zu lähmendem Entsetzen, purer Angst und Panikreaktionen. Unvorbereitet geraten Polizisten schnell in nicht mehr kontrollierbare Extremsituationen und erleben ihr persönliches „Waterloo“.
1 Wenn der Gegner auf „Kill“ schaltet
Messergewalt steht zurzeit im Fokus der medialen und gesellschaftlichen Diskussion. Neben einigen (sicherheits-)politischen und kriminalpräventiven Maßnahmen, gibt es hierzulande allerdings wenig empirische Forschung, die speziell den Einsatz von Messern als Tatmittel in den Blick nimmt. Fest steht: Oft werden Polizisten selbst aus nichtigsten Anlässen in Ausübung ihres Dienstes angegriffen. Die Zahl der Angriffe mit Messern und anderen gefährlichen Gegenständen steigt. Hierzu gehören zum Beispiel: Schraubendreher, Teppichmesser, Brieföffner, Glasscherben, abgebrochene Gläser und Flaschen. Sie sind in polizeilichen Einsatzsituationen nicht immer sofort als Gefahr erkennbar und einsatzrelevante Distanzen werden häufig falsch eingeschätzt.2 Jeder Polizeibeamte kann mit solchen Angriffen konfrontiert werden, ob er das will oder nicht. Der Angreifer wird danach nicht fragen.
Zur professionellen Vorbereitung gehört auch das Wissen um die Denk- und Verhaltensmuster von Gewalttätern:12. Januar 2020, Münchener Hauptbahnhof, bei einer Personenkontrolle attackierte ein 23-jähriger Mann einen Polizisten feige und hinterhältig mit einem Messer. Der 30-jährige Polizist war mit einem brutal ausgeführten Messerstich im Schulter- und Nackenbereich verletzt worden. Die Attacke war so heftig, dass die Messerklinge abbrach und im Körper des Beamten stecken blieb. Nur durch eine Notoperation konnte der Polizist gerettet werden.
Herbert Reul, Innenminister im Land Nordrhein-Westfalen, zu den Entwicklungen:3„Ich glaube, dass wir es mit einer Verrohung unserer Gesellschaft zu tun haben. Früher flogen maximal die Fäuste, heute wird gleich das Messer gezückt […] Situationen eskalieren viel schneller“.
Sind die Hemmungen geringer geworden? Bernd Roggenwallner, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie in einem Interview in einer überregionalen Boulevardzeitung:4„Der verstärkte Einsatz von Messern als Waffe hat damit zu tun, dass die Hemmung, Aggressionen auszuleben, geringer geworden ist.“
2 Der vorläufige brutale Höhepunkt – Der tödliche Messerangriff auf Rouven Laur in Mannheim
Nicht nur für Polizisten bis heute unfassbar und an Brutalität und Hinterhältigkeit niederschmetternd. Die tödliche Messerattacke von Mannheim im Mai 2024. Knapp 40 Seiten umfasst die Anklageschrift, die der Generalbundesanwalt gegen den mutmaßlichen Täter vorlegte. Kernaussage ist nach Informationen des SWR:5 Der 25-jährige Sulaiman A aus dem südhessischen Heppenheim hat den Polizeibeamten Rouven Laur heimtückisch und aus niederen Beweggründen ermordet und die Ermordung von fünf anderen Menschen versucht haben. Die Tatwaffe des Messerstechers war ein Jagdmesser „Python“ mit einer 18 cm langen Klinge. Als „Backup-Waffe“ führte der Mann zusätzlich ein Klappmesser mit sich. Exemplarisch zeigt dieser Fall: Messerangreifer haben mit ihrem absoluten Vernichtungswillen und der Herrschaft über den Zeitpunkt der Attacke enorme Vorteile gegenüber dem plötzlich Angegriffenen.
3 Die Fakten
Die bundesdeutsche Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 20236 gibt einen beunruhigen Einblick in die gesellschaftlichen Realitäten in Zeiten von Terrorgefahr, brutaler Gewalt, Amoklagen und schwerer allgemeiner Kriminalität. Sozialpsychologen melden Radikalisierungen hin zur „Gewalt in Hochgeschwindigkeit“. Links- und Rechtsextreme, „Gewalttäter Sport“ und Mitglieder von kriminellen Banden radikalisieren sich und sehen die Vertreter der staatlichen Strukturen grundsätzlich als Feind an. Alleine das islamistische Personenpotenzial wird auf 27.000 (!) Personen geschätzt. Hinterhalte und gezielte Inszenierungen von Krawallen gegen die Polizei sind keine Seltenheit mehr.
4 Die Kriminalität steigt deutlich an
Die Zahl der Straftaten ist im vergangenen Jahr um 5,5% auf fast 6 Millionen gestiegen.7 Die Gewaltkriminalität erreichte mit rund 214.099 den höchsten Stand seit 15 Jahren (plus 8,6%). Straftäter sind zu 41% Nichtdeutsche (bei 923.269 aller Tatverdächtigen). Von 190.605 Gewalttätern sind 79.088 Nichtdeutsche – ein Plus von 14,5%. 25.732 Flüchtlinge begingen Gewaltdelikte, auch hier ein Anstieg von 20,3%. Die Zahlen bei den gefährlichen und schweren Körperverletzungen stiegen um 6,8% auf 154.541 Fälle. Ein deutlicher Zuwachs auch bei den Raubdelikten. Sie stiegen um 17% auf 45.000 Fälle.
5 Besonders besorgniserregend: Messerattacken
Bei aller auch kriminologisch berechtigten Kritik, die Taten häufen sich: August 2024. Während die üblichen „Experten“ darüber diskutieren, ob es ein Amoklauf oder eine Terrorattacke war, kämpfen mehrere schwerverletzte Menschen um das Überleben – ihnen ist die „kriminologische Einordnung“ der hinterhältigen Tat völlig egal. Bei einer brutalen Messerattacke in Solingen, waren beim „Fest der Vielfalt“, im August 2024, drei Menschen bestialisch ermordet worden. Der Täter konnte im Chaos der Tat zunächst flüchten und stellte sich danach selbst. Die Zahl der Messerangriffe ist im vergangenen Jahr auf einen Höchstwert gestiegen: 13.844 Körperverletzungen und Raubdelikte mit Messern wurden in Deutschland registriert – 1.500 Fälle mehr als im Vorjahr. Für das erste Halbjahr 2024 meldet alleine die Bundespolizei 430 Messerangriffe.

Messer als Tatwaffe.
Den Medienkommentaren zufolge sind junge Männer aus Syrien, Afghanistan und dem Maghreb – gemessen an ihrem Anteil an der Bevölkerung – weit überdurchschnittlich „an Gewalttaten, an Mord, Totschlag und Raub beteiligt“. Im Rahmen der Vorstellung der PKS 2023 wurde bestätigt:8„Die Zahlen bei Gewalt und Diebstahl steigen durch das aktuelle Migrationsgeschehen und die umfangreiche Zuwanderung Geflüchteter“. Die deutsche Hauptstadt meldet in Sachen Messergewalt: Im vergangenen halben Jahr wurden so viele Stichverletzungen in der Berliner Charité behandelt wie sonst in einem Jahr. Mediziner beobachten dabei einen Anstieg der Brutalität. Es gebe mehrfache und tiefere Stichverletzungen, teilweise würden dabei lange Messer verwendet. Nahezu absurd: Potenzielle Messerstecher können zum Beispiel in Berlin-Neukölln im „Spätkauf“, neben Alkohol und Zigaretten, auch Macheten (60 Euro) und gefährliche Springmesser (39 Euro) kaufen.
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