
Remember Ireland - Das Gefängnis der Nation
Das anrührendste Ereignis aber fand in der Gefängniskapelle statt. Der Raum ist dunkel und kühl, die Holzbänke sind hart. In einer Nische steht ein einfacher weißer Altar mit Kerzenleuchtern. Am Abend des 3. Mai, kurz vor seiner Hinrichtung, heiratete hier der Dichter und Revolutionär Joseph Plunkett seine Verlobte, die für diese Zeremonie in das Gefängnis geholt wurde. Wenige Stunden später stand er dem Exekutionskommando gegenüber, Gewehrsalven statt Hochzeitsglocken erfüllten die Luft.
Seinen letzten Gang gehen wir jetzt nach. Durch feuchte Gewölbe und eine niedrige Holztür treten wir in den Gefängnishof hinaus. Der Kies knirscht unter unseren Schritten, als wir zu der Mauer aus groben Feldsteinen hinüber gehen, die das Gefängnis umgibt. Eine einfache Metallplatte trägt die Namen der 14 Männer, die an dieser Stelle hingerichtet wurden. James Connolly, der Kommandant des Aufstands, war bereits so schwer verletzt, dass er nicht mehr stehen konnte, sondern auf einem Stuhl sitzend erschossen wurde. Daneben weht die irische Fahne, der einzige Farbfleck in dieser düsteren Umgebung.

Von der Straße aus wirkt das Gefängnis wie eine Burg
„Das war nicht das Ende der Geschichte“, unterbricht Niall das nachdenkliche Schweigen. „Schon drei Jahre später kam es in ganz Irland zu einer Rebellion gegen die britische Besatzung, und diesmal hatten wir mehr Erfolg.“ Während des Unabhängigkeitskrieges wurden viele Aufständische in Kilmainham inhaftiert. Aus dieser Zeit stammt auch das Graffiti, das jemand an die Wand eines Ganges geschrieben hat: „Beware of the risen people”, ist im Licht einer nackten Glühbirne zu lesen. „Hütet euch vor der Erhebung des Volkes, ihr, die es geplagt und gefangen, schikaniert und bestochen habt.“ So poetisch es klingt, so ernst war es gemeint. Der Kampf wurde auf beiden Seiten verbissen und mit grausamer Brutalität geführt. Im Dezember 1921 endete der Krieg, in London wurde ein Vertrag unterzeichnet, der erstmalig die Existenz einer selbstregierten irischen Republik garantierte, des „Irish Free State“. Der Preis dafür war der Verzicht auf die Einheit Irlands, denn die sechs nördlichen Provinzen blieben bei Großbritannien. Zwischen Befürwortern und Gegnern des Vertrags kam es zu heftigem Streit und schließlich zu einem blutigen Bürgerkrieg. „Das ist wohl die traurigste und bitterste Zeit, die Kilmainham erlebt hat“, meint Niall. Viele der Gefangenen, die jetzt bewacht werden mussten, waren früher Kameraden im Unabhängigkeitskrieg gewesen. Einer von ihnen war Eamon de Valera, der im Juli 1924 als Letzter das Gefängnis verließ. Noch einmal, im April 1966, kam er zurück nach Kilmainham, diesmal nicht als Häftling, sondern als Staatspräsident Irlands, um den 50. Jahrestag des Osteraufstands zu begehen. Ein vergilbtes Zeitungsfoto zeigt, wie er seinem ehemaligen Gefängniswärter die Hand schüttelt. Weder sein Wächter noch er selbst sehen dabei glücklich aus.

Der Gefängnishof
Information:
Kilmainham Gaol,
Inchicore Road, Kilmainham, Dublin 8.
Tel.: +353-1-453 5984
e-mail: [email protected]
Öffnungszeiten: April bis September täglich 9:30 Uhr bis 18:00 Uhr,
Oktober bis März 9:30 Uhr bis 17:30 Uhr, sonntags 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr.
Eintritt: 6 Euro, Kinder und Studenten 2 Euro.Für den Besuch sollte man anderthalb Stunden einplanen.
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