Kriminalitätsbekämpfung

eFBS – Einheitliches Fallbearbeitungssystem für die Kriminalpolizei

Von KD a.D. Ralf Gerhards, Wiesbaden¹

 

7 Funktionsumfang


eFBS verfügt über eine Vielzahl an Funktionalitäten und Schnittstellen, um die kriminalpolizeiliche Sachbearbeitung zu unterstützen. Hierzu zählen insbesondere:

 

  • Erfassung, Analyse und Visualisierung polizeilicher Informationen
  • Bearbeitung von komplexen Ermittlungs- und Auswerteverfahren u.a. in den Bereichen Organisierte Kriminalität und Staatsschutz
  • Komplexe Recherchen und Textanalysen
  • Darstellung von  Fachinformationen auf  Karten
  • Erkennen von Tat-/Tat- und Tat-/Täter beziehungen/-strukturen
  • Hinweisaufnahme und -bearbeitung u.a. bei BAO-Lagen
  • Datenanlieferung für den polizeilichen Informations- und Analyseverbund Operativ (PIAV-O) und PIAV-Strategisch PMK (PIAV-S PMK)
  • Bearbeitung von Maßnahmen zur Telekommunikations überwachung
  • Bund-/Länderübergreifende Bearbeitung von gemeinsamen Ermittlungsverfahren

Ein Fokus in eFBS liegt auf der Bearbeitung von strukturierten Daten, die in Form von Entitäten in der Datenbank gespeichert werden. Im Rahmen der Bearbeitung von großen Ermittlungsverfahren können durch die Vielzahl an erfassten Daten, Entitäten und Beziehungen sehr große Vorgangsnetze entstehen.


Ein praktisches Anwendungsbeispiel für die Ermittlungsunterstützung ist die web-basierte Hinweisaufnahme und -bearbeitung. Diese wird unter anderem bei Großschadenslagen genutzt, um die Vielzahl an Hinweisen zu Verletzten, Vermissten und Tatverdächtigen strukturiert zu erfassen. Dieses Modul wurde im Rahmen der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ zudem bereits mehrfach eingesetzt, um entsprechende Hinweise der Fernsehzuschauer aufzunehmen. Im Zuge strafrechtlicher Ermittlungen können diese mit anderen polizeilichen Datenbanken abgeglichen und mit relevanten Fällen und Vorgangsobjekten verknüpft werden.


Ein weiteres Hilfsmittel für die Ermittlungsunterstützung ist die Darstellung von Fachinformationen auf Karten (DAFKa). Hierbei können z.B. GPS-Details aus einer Observierung zusammen mit Fachinformationen (Straftaten, Ereignisse etc.) auf einer Karte dargestellt werden. Damit sind frühzeitig Zusammenhänge zu anderen Straftaten und relevanten Örtlichkeiten erkennbar.

 


Abb. 2: Modell eines Fallnetzes.

 

8 Abgrenzung zu Palantir und vergleichbaren Analysesystemen


Zuletzt wurde in den Medien sehr kontrovers über den Einsatz von Analysesoftware des US-Konzerns Palantir bei der Polizei in Deutschland berichtet. In Deutschland arbeiten einzelne Landespolizeien seit 2017 mit Palantir-Software insbesondere zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität und des Terrorismus. Die Programme können riesige Datenmengen aus einer Vielzahl von Quellen automatisiert miteinander verknüpfen. Hierzu gehören u.a. Funkzellenabfragen, Melde- und Vorgangsdaten, Social-Media-Inhalte und Bilder. Diese Daten können mit Palantir in sehr kurzer Zeit durchsucht und abgeglichen werden, bei Bedarf auch mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz.8 In eFBS werden polizeilichen Informationen strukturiert auf Basis des Informationsmodells Polizei (IMP) in einer Datenbank gespeichert. Diese können unter Berücksichtigung eines detaillierten Rechte- und Sichtenkonzepts teilnehmerbezogen recherchiert und ausgewertet werden. Palantir-Systeme wie HessenData und VeRA haben ihren Schwerpunkt dagegen in der Datenextraktion aus unterschiedlichsten strukturierten und unstrukturierten Datenquellen sowie deren Analyse. Zu den strukturierten Datenquellen gehören insbesondere die Vorgangs- und Fallbearbeitungssysteme.

 


Abb. 3: Bund-/Länderübergreifende Projektstruktur der PG eFBS.

 

9 Projektorganisation


Das Projekt eFBS wird vom BKA als sog. Themenführer im Rahmen des Programms P20 organisiert. Innerhalb der Linienorganisation ist das zuständige Referat AP22 der Abteilung Architektur und Strategische Programme (AP) zugeordnet. Die Projekte des Programms P20 werden operativ im Rahmen von Release Trains und zugeordneten „Feature Teams“ abgearbeitet. Diese Struktur ist angelehnt an das „Scaled Agile Framework“ (SAFe9), welches eine Reihe von Organisations- und Workflow-Mustern umfasst, die Unternehmen bei der Skalierung schlanker und agiler Praktiken unterstützen sollen. SAFe fördert die Ausrichtung, Zusammenarbeit und Umsetzung einer großen Anzahl agiler Teams. Aufgrund der engen Verflechtung der Projekte eFBS und PIAV bilden diese den gemeinsamen Release Train eFBS/PIAV. Die bund-/länderübergreifende Struktur der Projektgruppe eFBS ist aufgabenorientiert in Kernteams aufgeteilt und umfasst sowohl die Bestandsteilnehmer als auch die Beitrittskandidaten.