„Roadpol-Kontrollwochen“ und die Umsetzung im Bereich der Polizeidirektion Kiel
Von PHK Sven Petersen, Kiel¹
Weihnachtszeit ist Glühweinzeit, das weiß auch die Polizei und so fanden in der Woche vom 16.12. bis zum 22.12.2024 im Rahmen der europaweiten Aktion „Roadpol“ an verschiedenen Orten der Polizeidirektion Kiel Verkehrskontrollen mit dem Schwerpunkt Alkohol, Drogen und Medikamente statt.

In Schleswig-Holstein war im Jahr 2023 die Zahl der Verkehrsunfälle, bei denen mindestens eine beteiligte Person unter dem Einfluss von Alkohol stand, mit 1.261 im Vergleich der letzten zehn Jahre auf einem gleichbleibend hohen Niveau. Dabei wurden landesweit 750 Personen leicht bis schwer verletzt und vier Personen verloren ihr Leben. Mit 144 Verkehrsunfällen unter Alkoholeinfluss im vergangenen Jahr lag die Polizeidirektion Kiel im Landesdurchschnitt. Durch die Unfälle gab es 70 leichtverletzte und 16 schwerverletzte Personen. Von den 16 Schwerverletzten waren allein sechs Fahrer von Elektrokleinstfahrzeugen (EKF).2
Um die Hauptunfallursachen zu bekämpfen und sich schrittweise der „Version Zero“ zu nähern, wurde vor über 25 Jahren ein nichtstaatliches, internationales Verkehrspolizeinetzwerk mit dem Hauptziel, die Zahl der Toten und Schwerverletzten auf europäischen Straßen zu reduzieren, gegründet. Dies war anfänglich unter dem Begriff „TISPOL“ und ist seit einigen Jahren als „Roadpol-Kontrollwoche“ bekannt.
Schleswig-Holstein ist wie alle Länder Mitglied dieses Netzwerks. Die Polizeidirektion Kiel beteiligt sich in Ihrem Zuständigkeitsbereich an diesen Kontrollen. Jährlich gibt es zehn wiederkehrende Schwerpunktkontrollen des Landes Schleswig-Holstein im Rahmen der europäischen „ROADPOL-Aktionswochen“.

Die Polizeidirektion Kiel hat in der 51. Kalenderwoche 2024 gerade die Besucherinnen und Besucher der Weihnachtsmärkte in den Fokus genommen. Nicht das an den anderen Wochen im Jahr nicht getrunken oder konsumiert wird. Aber gerade in der Vorweihnachtszeit ist die Versuchung doch da, sich in geselliger Runde (mit Kolleginnen und Kollegen) auf ein oder zwei Punsch auf den Weihnachtsmärkten der Region zu treffen und dann nach Hause zu fahren (egal ob mit Fahrrad, E-Scooter oder Pkw).
Für die Bewältigung der „Roadpol-Kontrollwoche“ hatte die Polizeidirektion Kiel 83 Beamtinnen und Beamte im Einsatz. Die Verkehrsteilnehmenden wurden dabei im Rahmen von Standkontrollen, aber auch durch zahlreiche mobile Kontrollen auf ihre Verkehrssicherheit hin überprüft. Es wurden in der Woche 525 Fahrzeugführerinnen und -führer in der Landeshauptstadt Kiel und im Landkreis Plön kontrolliert. Hierbei wurden 68 Atemalkohol- und 33 Drogenvortestungen durchgeführt. Lediglich bei fünf Verkehrsteilnehmenden konnte eine Beeinflussung durch Alkohol festgestellt werden. Der Höchstwert war dabei 1,83 Promille.
Im Vergleich zu den festgestellten alkoholbedingten Verkehrsdelikten waren die Delikte mit Einfluss berauschender Mittel nahezu doppelt so hoch. Es wurden insgesamt neun Verstöße im Zusammenhang mit der Einnahme von berauschenden Mitteln festgestellt. Ob dieser Anstieg im Zusammenhang mit der Legalisierung von Cannabis steht, kann nur vermutet werden. Ein Indiz dafür könnte sein, dass bei den Kontrollen zwei Betroffene sog. „Clean-Urin“mitführten und einsetzten.
Insgesamt kamen die Kontrollen bei dem Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmern gut an. Viele hatten Verständnis und wünschten sich, dass häufiger kontrolliert wird, was naturgemäß einen erheblichen Personaleinsatz erfordern würde. Zudem stellten die Beamtinnen und Beamten fest, dass trotz der in den letzten Jahren zahlreich durchgeführten Aufklärungskampagnen immer noch nicht allen bekannt ist, dass ein E-Scooter kein „Spielgerät“ ist, sondern dass hier die gleichen Promillegrenzen gelten wie bei herkömmlichen Kraftfahrzeugen.3
Bildrechte: Autor/Redaktion.
Anmerkungen
- Sven Petersen ist Polizeihauptkommissar und Leiter des Sachgebiets 1.3 (Verkehrsangelegenheiten) der Polizeidirektion Kiel.
- Ergebnisse aus Cognos (= Datenauswerteprogramm mit deren Hilfe die Landespolizei Schleswig-Holstein Daten aus ihren Vorgangsbearbeitungssystem ARTUS überführt und auswertet, um daraus dann solide Entscheidungen für die Verkehrssicherheitsarbeit zu treffen).
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