Editorial
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
ein ereignisreiches Jahr neigt sich dem Ende zu und vor Ihnen liegt bereits die Weihnachtsausgabe unserer Fachzeitschrift.

In dieser letzten Ausgabe des Jahres 2025 setzt sich zunächst ein Autorenteam der Bundesinitiative Gewaltschutz um Tatyana Gardner, Sandra Hübsch, Mandy Thomas und Anna Hansen aus Hannover mit dem Thema „Missbrauch“, den Ausprägungen der physischen, psychischen, ökonomischen, sexualisierten und institutionellen Gewalt sowie den damit verbundenen Herausforderungen für die Polizeiarbeit auseinander. Der vor drei Jahren gegründete Verein besteht aus engagierten Frauen, die aus dem gesamten Bundesgebiet und verschiedenen Tätigkeitsfeldern kommen, mit diversen Netzwerkpartnern zusammenarbeiten und teils aus eigener Betroffenheit Erfahrungen und Expertise einbringen. Ziel ist die vorbehaltlose Umsetzung des Übereinkommens zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt des Europarates – kurz „Istanbul-Konvention“. Es geht um die Erarbeitung von Standards für die Praxis, den wirksamen Schutz Betroffener, die konsequente Verfolgung von erkannten Normverletzungen und die bessere Zusammenarbeit zwischen den handelnden Akteuren. Aufbauend auf einer erweiterten Definition des Gewaltbegriffs werden im Kontext häuslicher und geschlechtsspezifischer Gewalt klar beschreibbare Formen und Muster in den Fokus gerückt. Die Autorinnen fordern eine durchgehende Evaluation und Anpassung polizeilicher und justizieller Verfahren unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Standards, um so den Opferschutz weiter zu stärken und zugleich den Rechtsstaat zu festigen.
Der ehemalige Schwerpunktleiter für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Würzburg Prof. Dr. Herbert Csef geht auf Partnerschaftsgewalt und Intimizide in lesbischen Beziehungen ein. Er kritisiert in seinem Aufsatz, dass dieser Themenkreis bisher in der bereichsspezifischen Forschung und im Schrifttum deutlich unterrepräsentiert ist und die Debatte zudem einseitig geführt wird. Er verweist in diesem Kontext auf den seit mehr als zehn Jahren veröffentlichten „National Intimate Partner and Sexual Violence Survey“ der USA als geeignetes Vorbild, um dieses Defizit zumindest teilweise auszugleichen.
Die Bedeutung von Sicherheitsaudits im Kinderschutz wird von dem Ehrenvorsitzenden der Deutschen Kinderhilfe – die ständige Kindervertretung e.V. PD a.D. Rainer Becker und der Journalistin Dana Zelck thematisiert. Es handelt sich dabei nach ihrer Darstellung um ausgesprochen wichtige Instrumente, die system- und professionsübergreifende Überprüfungen von öffentlichen und nichtöffentlichen Einrichtungen auf Sicherheitslücken ermöglichen und dadurch zum bestmöglichen Schutz von Kindern beitragen können.
Im fünften und letzten Teil ihrer viel beachteten Beitragsreihe zu „Diskriminierungsrisiken im polizeilichen Handeln“ beschäftigen sich Prof. Dr. Birgitta Sticher und Prof. Dr. Claudius Ohder aus Berlin mit Sexarbeitenden in Deutschland. Neben der rechtlichen Situation und der gesellschaftlichen Wahrnehmung gehen die Autoren auch kritisch auf die Einstellung von Polizeibeamtinnen und -beamten zu Sexarbeitenden ein und zeigen Lösungsansätze auf. In diesem Kontext fordern sie insbesondere eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema, gesellschaftlichen Vorurteilen und eigenen handlungsleitenden Narrativen.
OStA Dr. Sören Pansa und StA Dr. Felix Doege nehmen im zweiten Teil ihres Aufsatzes zu strafprozessualen Problemen der Auswertung von Mobiltelefonen und der dazu ergangenen Rechtsprechung Stellung. Sie stellen heraus, dass die „offene“ Sicherung von Mobiltelefonen von besonderer Bedeutung ist, da dadurch nachfolgende Ermittlungen entscheidend beschleunigt, wenn nicht gar überhaupt erst ermöglicht werden, und plädieren in diesem Kontext für Entschlusskraft und Handlungsschnelligkeit der Ermittlungsbeamten. Sören Pansa ist bei der Generalstaatsanwaltschaft des Landes Schleswig-Holstein tätig, Felix Doege Angehöriger der Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht Kiel, derzeit abgeordnet an den Generalbundesanwalt.
In weiteren Aufsätzen geht es um zu fordernde Qualitätsmaßstäbe bei der Anfertigung polizeibezogener Beiträge in Fachzeitschriften, die praktische Anwendbarkeit kriminalwissenschaftlicher Erkenntnisse sowie empirische Erfahrungen und Möglichkeiten der Extremismusprävention an Schulen im Lichte einer heterogen geprägten Gesellschaft. Autoren dieser Beiträge sind PK Alexander Alff und KK Robert Lippitz, KHK Mario Rietig und KOK Alexander Lösch sowie Dr. Erdmann Görg und Prof. Dr. Helen Schneider.
Eine strafrechtliche Rechtsprechungsübersicht, Aktuelles aus dem Netz, Rezensionen und gewerkschaftspolitische Nachrichten runden unsere Zeitschrift schließlich wie gewohnt ab.
Liebe Leserinnen und Leser, wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre und sind auf Ihre Rückmeldungen gespannt. Zugleich wünschen wir Ihnen und Ihren Familien ein besinnliches Weihnachtsfest, erholsame Tage zwischen den Jahren sowie ein glückliches, erfolgreiches und vor allen Dingen gesundes Jahr 2026. Wir freuen uns auf den weiteren Austausch mit Ihnen.
Für das Redaktionsteam
Ihr
Hartmut Brenneisen
Bildrechte: Kay Herschelmann.
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Mit ihrem aktuellen und vielfältigen Themenspektrum, einer Mischung aus Theorie und Praxis und einem Team von renommierten Autorinnen und Autoren hat „Die Kriminalpolizei“ sich in den vergangenen Jahren einen ausgezeichneten Ruf erworben.
Über die angestammte Leserschaft aus Polizei, Justiz, Verwaltung und Politik hinaus wächst inzwischen die Gruppe der an Sicherheitsfragen interessierten Leserinnen und Lesern. Darüber freuen wir uns sehr. [...mehr]
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