Phänomenologische Betrachtungen zum Wohnungseinbruch
Von KD Christoph Frings, Duisburg¹
3 Entwicklung der Tatversuche

Abb. 3: Anteil der versuchten Taten am Wohnungseinbruch auf Bundesebene von 2002 bis 2023.5
Erfreulich ist hingegen die Entwicklung im Bereich des Versuchsanteils der Taten. Gemeinhin gilt ein steigender Versuchsanteil im Bereich des Wohnungseinbruchs als Indikator für eine zunehmend bessere Objektsicherung. Der Anteil der Tatversuche ist seit dem Jahr 2002 von 34,6% bis zum Jahr 2021 kontinuierlich bis auf 48,7% gestiegen. Aktuell ist der Anteil der Tatversuche wieder leicht gesunken und liegt bei 46,3%. Unterstellt wird häufig, dass die langfristige und konsequente Präventionsarbeit der Polizei ihre Früchte getragen hat und Wohnungen und Häuser zunehmend besser gesichert werden. Es könnte aber auch sein, dass eine zunehmende Professionalisierung der Tatbegehung von Diebesbanden zu einer zeitoptimierten Tatbegehung führt, d.h. wenn es zu lange dauert um in ein Objekt eindringen zu können, wird die Tat abgebrochen und ein neues (weniger gut gesichertes) Tatobjekt angegangen.
4 Entwicklung bei den nichtdeutschen Tatverdächtigen
Delikte des schweren Diebstahls und des Wohnungseinbruchs werden überwiegend von männlichen Tätern begangen. Weiter kann festgehalten werden, dass Wohnungseinbrüche heute überwiegend von erwachsenen Tätern und eher selten von Kindern bzw. Jugendlichen begangen werden. Obwohl es sich bei den Tätern hauptsächlich um Männer handelt, meidet der Wohnungseinbrecher grundsätzlich den Kontakt zum Opfer und flieht, wenn er bei der Tatausführung gestört wird.

Abb. 4: Entwicklung des Anteils der nichtdeutschen Tatverdächtigen beim Wohnungseinbruch Bundesrepublik 1998 bis 2018.6
Im Jahr 2023 lag Anteil der ermittelten nichtdeutschen Tatverdächtigen an der Zahl aller ermittelten Tatverdächtigen (ohne Berücksichtigung ausländerrechtlicher Verstöße) bei 34,4%7. Beim Wohnungseinbruch beträgt hingegen der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen 42,9%, beim Tageswohnungseinbruch liegt er sogar bei 46,8%. Im Jahr 2023 lebten 13,9 Millionen Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit in Deutschland8, das entspricht bei einer Gesamtbevölkerung von 83,3 Millionen, einem Bevölkerungsanteil von ca. 16,7%. Nicht zu vergessen ist jedoch, dass Straftaten nicht nur von der hier wohnenden Bevölkerung, sondern auch von eingereisten Personen begangen werden. Bis zum Jahr 2016 nahm der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen kontinuierlich, bis zum Wert von über 42% beim Wohnungseinbruch und bis über 51% beim Tageswohnungseinbruch zu. Die Werte sind in der Folgezeit bis 2023 noch auf ca. 43% beim Wohnungseinbruch gestiegen, bzw. liegen beim Tageswohnungseinbruch mit derzeit 47% leicht unter dem Höchstwert von 2016. Das Absinken des Anteils nicht deutscher Tatverdächtiger nach 2016 fällt zeitlich zusammen mit der Schließung der sog. „Balkanroute“ durch verstärkte Grenzsicherungsmaßnahmen zu Serbien durch Ungarn und Österreich, später auch durch andere EU-Staaten.
Die Polizeiliche Kriminalstatistik weist die Tatverdächtigenzahl auch untergliedert nach der jeweiligen Nationalität separat aus. Zur besseren Übersicht soll die Aufschlüsselung der nichtdeutschen Tatverdächtigen in zwei separaten Diagrammen erfolgen. Auch wenn nur etwa ca. 15% der Wohnungseinbrüche durch die Polizei aufgeklärt werden, so sind insgesamt 4247 ermittelte nichtdeutsche Tatverdächtige im Bereich des Wohnungseinbruchs 2023 doch eine ausreichend große Personengruppe für etwas genauere Betrachtungen.

Abb. 5: Aufschlüsselung des Anteils der nichtdeutschen Tatverdächtigen beim Wohnungseinbruch Bundesrepublik.9
Der Anteil Täter türkischer Staatsangehörigkeit beträgt 5,4% im Jahr 2023, jedoch macht diese Bevölkerungsgruppe mit fast 1,55 Millionen die größte ausländische Bevölkerungsgruppe in Deutschland aus. Mit über 1,24 Millionen Menschen sind ukrainische Staatsangehörige die zweitgrößte und mit ca. 970 000 Menschen syrische Staatsangehörige die drittgrößte ausländische Bevölkerungsgruppe in Deutschland. Obwohl ukrainische Staatsangehörige die zweitgrößte ausländische Bevölkerungsgruppe stellen, beträgt ihr Anteil an den ermittelten Tatverdächtigen beim Wohnungseinbruch nur 1,6%, bei den syrischen Staatsangehörigen beträgt ihr Anteil 5,1%. Mit ca. 910 000 Menschen sind rumänische Staatsangehörige die viertgrößte und mit ca. 890 000 Menschen polnische Staatsangehörige die fünftgrößte Bevölkerungsgruppe.10

Abb. 6: Aufschlüsselung des Anteils der nichtdeutschen Tatverdächtigen beim Wohnungseinbruch Bundesrepublik.11
Im Jahr 2015 stellten Tatverdächtige mit serbischer Staatsangehörigkeit mit 13,9% die größte Personengruppe der nichtdeutschen Tatverdächtigen, bis 2018 ist der Anteil auf ca. 8,5% gefallen. Inzwischen ist der Anteil serbischer Staatsangehöriger weiter auf 7,6% abgesunken. Der Anteil der serbischen Bevölkerung in Deutschland liegt laut dem Statistischen Bundesamt derzeit bei ca. 260 000 Personen. Der Anteil albanischer Staatsangehöriger lag zwischen 2016 und 2018 bei konstant ca. 10% und ist inzwischen auf 5,5% gesunken. Dieser Wert ist auffällig bei ca. 56 000 albanischen Staatsangehörigen in Deutschland 2018 und inzwischen ca. 120 000 Einwohnern im Jahr 2023.
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