Gewalt gegen privatrechtlich und hoheitlich handelnde Sicherheitskräfte bei Fußballveranstaltungen
Von Prof. Dr. Raphael Röttinger, Ulm¹
3.3 Involvierung privater Sicherheitskräfte
Ein weiteres zentrales Element für die Verbesserung der Sicherheitslage bei Fußballveranstaltungen ist die verstärkte Einbindung privater Sicherheitskräfte. Das NKSS bietet einen geeigneten Rahmen, in dem die Akteure der Stadionsicherheit effektiv arbeiten können, was durch die sinkenden Zahlen gewalttätiger Vorfälle bestätigt wird. Angesichts der dynamischen und oft unvorhersehbaren Herausforderungen bei Fußballspielen ist die Beteiligung privater Sicherheitsdienste entscheidend. Diese sollten regelmäßig in die Planung und Durchführung von Sicherheitsmaßnahmen einbezogen werden, einschließlich gemeinsamer Übungen und Schulungen (Müller-Eiselt, 2015). Mit der Entwicklung des Weiterbildungsprogramms „Qualifizierung Sicherheits- und Ordnungsdienste“ hat der DFB wichtige Schritte zur Standardisierung der Ausbildung des Sicherheitspersonals unternommen. Eine engere Zusammenarbeit zwischen Polizei und privaten Sicherheitsdiensten könnte zudem dazu beitragen, Kompetenzen optimal zu nutzen und Vertrauen aufzubauen.
3.4 Herausforderungen und Weiterentwicklungen
Ein besonderes Merkmal des NKSS ist seine Anpassungsfähigkeit an neue Herausforderungen. Die Reform von 2012 reagierte auf die veränderte Bedrohungslage durch die Ultra-Bewegung und betonte die Notwendigkeit einer intensiveren Kommunikation zwischen allen Sicherheitsakteuren (NKSS, 2012, p. 4). Auch die Rolle der Polizei wurde neu definiert, um eine deeskalierende Präsenz in den Stadien zu fördern (Kern, 2017, p. 90). Ein weiterer Aspekt, der berücksichtigt werden sollte, ist die zunehmende Respektlosigkeit und Aggressivität gegenüber Polizeikräften im urbanen Raum. Polizisten sind im Rahmen ihrer Tätigkeit immer wieder verbalen und physischen Angriffen ausgesetzt (Sicherheitsdepartement Stadt Zürich, 2018). Die Stadtpolizei Zürich und das Sicherheitsdepartement der Stadt Zürich führten daher gemeinsam mit externen Forschungsstellen das Projekt „Polizeiarbeit in urbanen Spannungsfeldern“ (PiuS) durch, um verschiedene Bereiche der Polizeiarbeit, einschließlich Gewalt gegen Mitarbeitende, zu prüfen (Manzoni & Baier, 2018). Die Erkenntnisse aus diesem Projekt und die daraus abgeleiteten Empfehlungen zur Prävention und Kontrolle gruppenbezogener Gewalt könnten auch für den Umgang mit Gewalt bei Fußballveranstaltungen relevant sein.
4 Fazit
Die leitende Fragestellung dieses Beitrags war, welche Maßnahmen die Gewalt gegen Sicherheitskräfte bei Fußballveranstaltungen wirksam reduzieren können. Die Analyse zeigt, dass eine Kombination aus präventiven und repressiven Maßnahmen notwendig ist. Das NKSS bietet einen umfassenden Rahmen, der sowohl die Zusammenarbeit zwischen Vereinen und Fangruppen als auch gezielte Sicherheitsmaßnahmen wie Stadionverbote und Videoüberwachung umfasst. Zudem verdeutlichen die Erfahrungen aus urbanen Spannungsfeldern die Notwendigkeit, den Respekt gegenüber Polizeikräften zu fördern und die Kommunikation zwischen allen Beteiligten zu verbessern. Die verstärkte Einbindung privater Sicherheitskräfte und ihre kontinuierliche Weiterbildung sind ebenfalls wesentliche Faktoren zur Verbesserung der Sicherheitslage. Durch regelmäßige Übungen und Besprechungen können Vertrauen und Effizienz im Sicherheitsnetzwerk gestärkt werden. Zusammengefasst lässt sich festhalten, dass durch die kontinuierliche Anpassung an neue Herausforderungen und die enge Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure Gewalttaten effektiv reduziert und die Sicherheit bei Fußballveranstaltungen signifikant verbessert werden können.
Anmerkungen
- Dr. Raphael Röttinger ist Professor für Kriminologie und hybride Gefahrenabwehr mit besonderer Expertise in den Bereichen Terrorismus und Amoklagen sowie der Bewältigung von Chaosphasen. Zudem liegt sein Schwerpunkt im Krisen- und Notfallmanagement sowie der interorganisatorischen Führungslehre für besondere Einsatzlagen. Er lehrt auch im Bereich der operativen Terrorismusabwehr und verfügt über zahlreiche einschlägige Aus- und Fortbildungen, u.a. bei der Feuerwehr, als Notfallsanitäter und Leiter für Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV).
- Für diesen Beitrag sind folgende Literaturquellen verwendet worden:
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Gabler, J. (2017). Fußball, Sicherheit und Soziale Arbeit. Fußball-Fanprojekte: Jugendhilfeeinrichtung oder Sicherheitsdienstleister? Springer Fachmedien GmbH.
Kern, P. (2017), Polizei und taktische Kommunikation. Springer-Fachmedien.
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