Editorial
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Editorial

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

mit der vorliegenden Ausgabe 4/2017 präsentieren wir Ihnen erneut interessante und für die Aufgabenfelder der Kriminalitätsbekämpfung relevante Fachbeiträge. Dabei geht es sowohl um wissenschaftliche als auch um polizeipraktische Themen, die durch renommierte Autoren professionell aufbereitet worden sind.


Kriminaldirektor Rolfpeter Ott stellt mit dem „Marzipan-Erpresser“ von Kiel den Fall einer Produkterpressung dar, der zunächst unspektakulär begann, sich dann jedoch mit hoher Dynamik weiterentwickelt hat und letztlich unter Bildung einer Landes-BAO bearbeitet wurde. Die Aufklärung des Falles und Festnahme des Täters werden von unserem Autor berechtigt als Erfolg der „klassischen“ Ermittlungsmethoden bewertet. Rolfpeter Ott ist Leiter der Kieler Kriminalpolizei und zugleich Lehrbeauftragter für das Studienfach Kriminalistik im Fachbereich Polizei der FHVD Schleswig-Holstein. Das von ihm aufgegriffene Thema ist zweifellos von einer hohen bundesweiten Bedeutung, denn der Einsatz des Druckmittels „Gift“ beunruhigt in regelmäßigen Abständen die Bevölkerung. Im September 2017 ging es z.B. um mit Ethylenglykol versetzte Babynahrung in Baden-Württemberg. Auch in diesem Fall gelang den ermittelnden Beamten die schnelle Festnahme eines Tatverdächtigen.

In einem Beitrag von Prof. Dr. Holger Roll geht es um die Grundlagen der Tatortarbeit, die durch das kriminalistische Denken und die methodische Umsetzung der geistigen Erkenntnisse gekennzeichnet sind. Neben der Auseinandersetzung mit den Begriffen des Tat- und Ereignisortes werden insbesondere die verschiedenen Dimensionen kriminalistisch relevanter Ereignisse auf wissenschaftlicher Basis erörtert. Dabei werden allgemeine Aspekte, aber auch durch das Ereignis hervorgerufene materielle und ideelle Veränderungen aufgegriffen. Unser Autor ist Fachhochschulprofessor und lehrt im Fachbereich Polizei der FHöVPR Mecklenburg-Vorpommern.

Einen besonderen Stellenwert haben wir in der aktuellen Ausgabe dem G20-Gipfeleinsatz in Hamburg eingeräumt. Zunächst setzt sich Dr. Udo Baron mit den linksextremistischen Protesten gegen den G20-Gipfel auseinander und geht dabei unter anderem auf die Rolle des autonomen Zentrums „Rote Flora“ im Hamburger Schanzenviertel ein. Am 22. September habe ich mich dann mit dem verantwortlichen Polizeiführer des Einsatzes, dem Leitenden Polizeidirektor Hartmut Dudde, getroffen und mit ihm über die rechtlichen, taktischen und logistischen Rahmenbedingungen, die besonderen Probleme und Belastungen sowie über die kriminalpolizeilichen Aufgaben während des Großeinsatzes gesprochen. Der sehr kompetente und erfahrene Polizeiführer hat in diesem Gespräch bereitwillig alle Fragen beantwortet und dabei das sehr motivierte und professionelle Verhalten der Kräfte hervorgehoben. „Die Kolleginnen und Kollegen haben Herausragendes geleistet“, so eine seiner Aussagen. Hartmut Dudde hat im Juli 2017 Polizeikräfte aus Bund und 16 Ländern und damit praktisch einen „gesamtdeutschen Einsatz“ geführt. Hinzu kamen Niederländer, Dänen, Österreicher und Franzosen. Dennoch ergaben sich daraus aus taktischer Sicht keine Nachteile und alle Einsatzkräfte konnten reibungslos zusammengeführt werden. Die Bedeutung der kriminalpolizeilichen Arbeit insbesondere in der eingerichteten Groß-Gesa und die Zusammenarbeit mit einer dort installierten Außenstelle des Amtsgerichts Hamburg wurden ebenso erörtert wie die zum Teil skandalisierende Medienberichterstattung, die nach Darstellung des Polizeiführers nicht immer ausreichend zwischen Fakten und Wertung trennt.

In weiteren Fachaufsätzen geht es um die Frage, ob sich Einsatzkräfte bei strafprozessualen Durchsuchungen filmen oder fotografieren lassen müssen und damit um das verfassungsrechtlich gewährleistete Recht am eigenen Bild, die Luftverunreinigung durch Seeschiffe im Lichte des Emissionstatbestandes aus § 325 Abs. 2 StGB sowie um Wettgeschäfte, Optionsscheine und Börsenkriminalität. In diesem Zusammenhang werden auch die Hintergründe des Anschlages auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund im April des Jahres aufgegriffen und erörtert. Hinzu kommen aktuelle Hinweise aus der Rechtsprechung und dem Netz sowie Rezensionen, die auf neu erschienene Kommentare hinweisen.

Wir wünschen Ihnen viel Freude und neue Erkenntnisse beim Lesen der Zeitschrift und sehen Ihren Rückmeldungen gespannt entgegen.

Zugleich wünschen wir Ihnen ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest sowie einen guten Rutsch in ein gesundes, glückliches und erfolgreiches Jahr 2018. Wir freuen uns auf weitere Kontakte mit Ihnen.


Für das Redaktionsteam
Ihr

Prof. Hartmut Brenneisen

 

 

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