Editorial
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Editorial September 2009

Liebe Leserin,
lieber Leser,

seit der Verfilmung von „Das Schweigen der Lämmer„ im Jahre 1991, spätestens jedoch nach der deutschen Fernseherstausstrahlung der US-amerikanische Mystikthriller-Serie „Profiler„ im Jahre 1997 wird die kriminalistisch-kriminologische Methode des so genannten Profiling bzw. der Operativen Fallanalyse von der Öffentlichkeit verstärkt wahrgenommen.
Die nicht immer realitätsnahe Darstellung der so genannten Profiler in den Medien vermittelt dabei nicht selten den Eindruck, als handelt es sich um den Einsatz von Supercops oder als sei diese Methode eine polizeiliche Wunderwaffe. 

Herbert Klein Kriminaldirektor, LKA Rheinland-Pfalz, Chefredakteur

Hedda Holzhauer, Kriminaloberkommsissarin beim Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz, setzt sich in ihrem Beitrag „Polizeiliche Wunderwaffe „Profiler„ – ein Mythos?„ mit diesem Aspekt auseinander. Sie leitet damit ein, dass mehr als zehn Jahre nach der offiziellen Einrichtung der Operativen Fallanalyse (OFA)-Einheiten beim Bundeskriminalamt und in den Landeskriminalämtern die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit ungebrochen scheint, dass die Polizei im Kampf gegen das Böse eine ihrer Wunderwaffen zum Einsatz bringt, die endlich für die langersehnte Aufklärung des bislang ungelösten Verbrechens sorgt. Diese setzt die Polizeilichen Fallanalytiker unter einen Leistungs- und Erfolgsdruck, dem sie kaum gerecht werden können. Hedda Holzhauer vermittelt eine Begriffsdefinition „Operative Fallanalyse„ sowie eine Beschreibung der Methoden bei der Erstellung von Fallanalysen und Täterprofilen. Als wesentliches Problem stellt sie heraus, dass mit der von den USA ausgehenden Initiierung der operativen Fallanalyse in Deutschland auch die Übernahme gewisser Mythen einherging, die sich bis heute standhaft halten. Dies zwingt die OFA immer wieder, ihren Arbeitsalltag der Öffentlichkeit explizit in Absetzung von dieser Figur als davon „abweichend„ zu präsentieren und sich dadurch gleichsam dem Mythos entgegenzustellen. Im Ergebnis stellt sie fest, dass es eine polizeiliche Wunderwaffe namens Profiler nicht gibt und folglich auf den Begriff des „Profilers„ durch die Medien verzichtet werden müsste.

Kompatibilität durch weitgehend gleiche Standards auf allen Ebenen lautet das Zauberwort in einer föderativen Polizeistruktur und in Europa, um eine Höchstmaß an effizienter Zusammenarbeit gewährleisten zu können. Die Realität ist hingegen nicht selten ernüchternd, denn das Miteinander wird in weiten Teilen auch von einem Nebeneinander begleitet. Dies gilt auch für die polizeiliche Bildungsarbeit, was angesichts fortlaufender Änderungen und Anpassungen in den Bereichen „Recht„, „Taktik„ oder „Technik„ nicht nur zu einem beträchtlichen Mehraufwand führt.

Vor diesem Hintergrund erscheint die Betrachtung des Kooperationsprojekts POLIZEI-ONLINE durch Carsten Heydt, Kriminaldirektor bei der Landespolizeischule Rheinland-Pfalz/Fachhochschule für öffentliche Verwaltung-Fachbereich Polizei von besonderem Interesse. Carsten Heydt stellt in seinem Beitrag das Projekt „Integriertes Bildungsmanagementsystem„ der Bundesländer Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Berlin, Saarland und Nordrhein-Westfalen vor. Behandelt werden die generellen und konkreten Möglichkeiten, Vorteile sowie potentiellen Risiken von E-Learning und Blended Learning in den vier Modulen Integriertes Bildungs- und Lernmanagement (BMS), Ganzheitliche Intranetlösung, Internet- und eGoverment-Anwendungen und Dokumenten-/Prozessmanagement, einschließlich der bislang gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen.
Zum Abschluss wagt Carsten Heydt einen Blick auf die Möglichkeiten von POLIZEI-ONLINE im Rahmen der neuen Bachelorstudiengänge. Im März 2009 wurde POLIZEI-ONLINE in der Kategorie „Professional E-Learning – Beste Projektwirkung„ zum zweiten Mal mit dem European eLearning-Award ausgezeichnet, was einen erfolgreichen Abschluss des Projekts erwarten lässt.

Herbert Klein

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