Editorial
Liebe Leserinnen, liebe Leser,

in der Ausgabe 2/2026 unserer Fachzeitschrift geht es zunächst um hoheitliche Maßnahmen im digitalen Geldraum und damit um das Thema „Krypto“.
KHK Michael Ebel stellt in einem 1. Teil seines Aufsatzes heraus, dass Kryptowährungen kein technisches Randphänomen mehr sind, sondern längst Einzug in die polizeiliche Praxis gefunden haben. Betrugsdelikte, Erpressungsfälle und Geldwäsche – überall taucht die Frage nach digitalen Währungen auf. Entsprechend ist auch in der Polizei zumindest ein gesichertes Grundverständnis notwendig, um Sachverhalte zutreffend einordnen und damit angemessene Ermittlungsansätze wählen zu können. Michael Ebel ist Finanzermittler beim Landrat Unna in Nordrhein-Westfalen. Er verantwortet seit vielen Jahren komplexe Ermittlungen im Bereich der Vermögensabschöpfung und der Krypto-Finanzkriminalität. Mit diesem Beitrag verfolgt er das Ziel, zunächst eine verständliche und zugleich praxisorientierte Einführung in die Welt der Kryptowährungen zu geben. Neben historischen Aspekten und ermittlungsrelevanten Herausforderungen geht unser Autor auch auf grundlegende Ermittlungsansätze bei Kryptoverfahren ein. Dabei spricht er unter anderem die Sicherung technischer Daten, die Nutzung geeigneter Analyse-Software und Fragen der internationalen Zusammenarbeit an. Er richtet sich insbesondere an Beamtinnen und Beamte, die nicht regelmäßig mit dieser Thematik betraut sind, aber in der täglichen Arbeit jederzeit darauf stoßen können. Zugleich legt er die Grundlagen für die nachfolgenden Teile des als Trilogie angelegten Fachaufsatzes.
Darauf aufbauend nimmt Jana Ringwald unter dem Titel „Dem digitalen Geld auf der Spur“ Stellung und beschreibt die Arbeit der Justiz in diesem Tätigkeitsfeld. Jana Ringwald ist Oberstaatsanwältin bei der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main. Sie leitet dort das Team Cybercrime und war in der Vergangenheit an zahlreichen international beachteten „Takedowns“ von Darknet-Marktplätzen und Plattformen der Underground Economy beteiligt. In ihrem Aufsatz beschreibt sie auch einen gemeinsamen Ermittlungserfolg ihrer Behörde und des Bundeskriminalamtes in den Jahren 2023 bis 2025. Hier gelang es, in die Server-Struktur der Plattformen „ChipMixer“ und „eXch“ einzudringen, eine eigene Startseite hochzuladen und jeweils hohe zweistellige Millionenbeträge in Kryptowährungen zu beschlagnahmen. Besonders herausgestellt wird von ihr zudem der verfahrenstechnische Umgang mit digitalen Währungen und der rechtlich zulässige Weg hin zur Legalisierung beschlagnahmter Gelder.
In der vorliegenden Ausgabe geht es aber nicht allein um den digitalen Geldraum, sondern auch um andere interessante und praxisrelevante Themen.
So setzen sich Dr. Sören Pansa und Dr. Svend-Bjarne Beil mit der Zulässigkeit von Bild- und Tonaufnahmen polizeilicher Einsätze auseinander. Dieses Thema ist gerade in der heutigen Zeit, in der das Mobiltelefon einen ständiger Begleiter für den Großteil der Bevölkerung darstellt, von großer Bedeutung, da damit die technische Möglichkeit verbunden ist, quasi immer und überall Bild- und Tonaufnahmen herzustellen und in kürzester Zeit weiterzuleiten. In ihrem Resümee stellen die fachkompetenten Autoren, Sören Pansa ist als Oberstaatsanwalt bei der Generalstaatsanwaltschaft Schleswig-Holstein und Sven-Bjarne Beil als Richter am Amtsgericht Norderstedt tätig, fest, dass die Rechtsprechung für hoheitliche Eingriffsmaßnahmen zurzeit keine einheitlichen Lösungen anbietet. Insofern ist im konkreten Einsatzgeschehen stets sorgfältig abzuwägen, ob ein Einschreiten geboten ist oder nicht. In diesen Abwägungsprozess ist auch ein mögliches Eskalationspotential einzustellen, das die zwangsweise Wegnahme eines Mobiltelefons in sich birgt. Denn durch diese Maßnahme wird dem Betroffenen häufig der zentrale Gegenstand zur selbstgewählten Teilnahme am sozialen Leben genommen.
In weiteren Aufsätzen geht es um Kindstötungen sowie damit verbundene Risikokonstellationen, Täterprofile, juristische Fragen und Präventionsansätze, um aktuelle Gefahren für die liberale Demokratie und damit verbundene Werte sowie um einen Überblick über die modernisierten und erweiterten Befugnisse für den effektiven Opferschutz im novellierten Polizeirecht des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Mit Prof. Dr. Herbert Csef, Dr. Udo Baron und einem Autorenteam um Prof. Dr. Mirko Faber konnten für diese Beiträge namhafte Autoren gewonnen werden. Hinzu kommen eine strafrechtliche Rechtsprechungsübersicht, ein Veranstaltungshinweis der Deutschen Gesellschaft für Kriminalistik (DGfK), Aktuelles aus dem Netz, eine Kurzmitteilung zu Änderungen des Luftsicherheitsgesetzes, Rezensionen und gewerkschaftspolitische Nachrichten.
Exklusiv in der DP-App ergänzen wir schließlich erstmals eine Ausgabe unserer Zeitschrift um digitale Fachbeiträge:Prof. Dr. Wilfried Honekamp und Marius Klingelhöfer vom Polizeitechnischen Institut (PTI) der Deutschen Hochschule der Polizei (DHPol) stellen hier die hohe Bedeutung der Forschung für die polizeiliche Praxis dar, und Prof. Dr. Raphael Röttinger aus Ulm nimmt kritisch zur Akademisierung und Qualifikation im privaten Sicherheitssektor Stellung.
Liebe Leserinnen und Leser, wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre und freuen uns auf Ihre Rückmeldungen.
Für das Redaktionsteam
Ihr
Hartmut Brenneisen
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