Fußballsport und Fangewalt

Erscheinungsformen, Präventionsmöglichkeiten und Gegenmaßnahmen


Von Prof. Dr. Thomas Nern, Hannover1

 

1 Vorbemerkung

 

Gewalttätige Handlungen bei Fußballspielen sind ein Problem, das sowohl in den Profiligen als auch im Amateurbereich auftritt. Seitens der regelmäßig einberufenen Sportministerkonferenz wurde unlängst darauf hingewiesen, dass der Fußballsport trotz seiner sozial integrativen Potentiale so regelmäßig wie keine andere Sportart von aggressiven Zusammenstößen von Fans und Gewalt begleitet wird. In der Konsequenz seien wirksame Einzelmaßnahmen zur Prävention, zur Eindämmung und ebenso zu einer zielgerichteten Sanktionierung solcher Vorfälle anzuwenden.2 Der vorliegende Beitrag beschäftigt sich mit entsprechenden Maßnahmen und fokussiert dabei insbesondere Möglichkeiten der Gewaltprävention. Einleitend wird jedoch zunächst auf die Faszination des Fußballs und die grundlegende Rolle von Fans eingegangen, um sich im Anschluss Erklärungsversuchen dahingehend zu widmen, warum und in welcher Form Gewalt in Stadien und im Umfeld überhaupt auftritt.

 

2 Faszination des Fußballs und Bedeutung der Fans


Fußball gehört in Deutschland und auch anderen Ländern zu den beliebtesten Sportarten. In Deutschland sind bei den meisten Partien der höchsten Spielklasse (1. Bundesliga) die Stadien gut gefüllt bis durchgehend ausverkauft. Aber auch viele Spiele der 2. Bundesliga und 3. Liga erfahren einen hohen Zuschauerzuspruch. Die mediale Aufmerksamkeit stellt sich entsprechend intensiv dar. Wie aber ist dieses Interesse am Fußball bzw. die Faszination dieses Sports zu erklären?


Der Versuch, wirklich erschöpfende Antworten auf diese Frage zu geben, würde den Rahmen des vorliegenden Beitrags sprengen. Im Sinne einer annähernden Beantwortung sind aber zumindest die folgenden sechs Faktoren zu nennen:


(1) Die Grundregeln des Fußballs sind einfach und gleichsam universell verständlich. Dies schafft ein Gefühl der Verbindung zwischen Angehörigen unterschiedlicher Kulturkreise.


(2) Fußballspiele bieten unerwartete Wendungen. Gerade diese Unvorhersehbarkeit respektive oftmals Unberechenbarkeit bis zur letzten Spielminute trägt zur Spannung bei.


(3) Bei vielen Fußballfans findet sich eine starke Identifikation mit „ihrem“ Team und dem Verein.


(4) Vor allem in den oberen Spielklassen zeichnen sich die fußballerischen Leistungen oftmals durch beeindruckende Virtuosität, Können und Spielwitz aus.


(5) Fußballspiele haben eine wichtige soziale Funktion. Sie bringen – innerhalb der Mannschaft, in einem Stadion, in einer Sportsbar, bei einem „Public Viewing“ oder nicht selten auch vor dem eigenen TV – Menschen zusammen, die dann interagieren und ein Gemeinschaftsgefühl erleben können.


(6) Und schließlich erfährt, wie eingangs bereits kurz erwähnt, durch die umfassende Berichterstattung in den Medien das Interesse am Fußball immer wieder neue Impulse.3


Die Bedeutung der Zuschauer bzw. Fans bei Fußballspielen kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Ohne Fans bietet sich, wie etwa die Spiele vor leeren Rängen während der Corona-Pandemie zeigten, ein letztlich trostlos anmutendes Bild: es fehlt schlichtweg ein wichtiges atmosphärisches Element. Der Autor hatte auch in seinen eigenen empirischen Erhebungen zur Rezeption von Sportveranstaltungen durch Fans feststellen können, dass das „Arousal“ und die emotionale Aktivierung von Zuschauern beim Stadionbesuch weitaus intensiver ist als etwa beim Verfolgen eines Fußballspiels „am Schirm“.4 Generell erwächst der Reiz des Fußballs aus der Partizipation von Interessierten und Fans unterschiedlichster Prägungen: „Fußball zog und zieht Millionen in seinen Bann unabhängig vom Alter, Geschlecht, Bildungsstand und sozialer Herkunft. Die Fankultur und Fanszene präsentieren sich entsprechend ebenso vielschichtig und bunt, wie widersprüchlich. Das Spektrum reicht vom kleinen Jungen bis zum graubärtigen Opa, von dem ‚mit den Wölfen heulenden Mädchen‘ bis zur gereiften Oma, vom hemmungslos jubelnden bis hin zum distanziert konsumierenden Fan, vom friedfertigen Schlachtenbummler bis hin zum gewaltfaszinierten Hooligan, vom ‚Linken‘ bis zum ‚Rechten‘“.5

 

3 Fußballfans und Gewalt


Trotz der zuvor beschriebenen Faszination und sozial-integrativen Funktion des Fußballsports müssen hier leider immer wieder gewalttätige Vorkommnisse im Zusammenhang mit Fans verzeichnet werden. Welche Zustandsbeschreibungen und Erklärungen wurden hierfür seitens der Praxis und wissenschaftlichen Forschung beigebracht? Während sich die kriminologische Forschung in England mit Gewalttätigkeiten anlässlich von Fußballspielen („Hooliganism“) bereits in den 1960er-Jahren auseinandersetzte, war diesbezüglich in anderen europäischen Ländern erst ab den 1990er-Jahren ein systematisiertes Forschungsinteresse erkennbar. Noch bis zu den frühen 2000er-Jahren konnten allerdings wirklich belastbare empirische Erkenntnisse nur vereinzelt beigebracht werden. Mit anderen Worten: die Forschungslage erwies sich als eher beschränkt.6


Im Hinblick auf Fußballhooligans in Deutschland kristallisierte sich im weiteren Forschungsverlauf heraus, u.a. gestützt auf Erhebungen der Polizei sowie von Vereinen und Fanprojekten, dass sich teils eine Verlagerung der Gewalt aus den Stadien sowie in das Umfeld unterer Ligen und auch gegen Unbeteiligte und Sicherheitskräfte vollzogen hatte. Es musste zudem eine zunehmende Brutalität bei den Auseinandersetzungen konstatiert werden. Für die zuweilen vertretene Hypothese, dass es sich bei gewalttätigen Fans nicht selten um gleichsam „normale“ – und womöglich nicht einmal sonderlich am Fußballsport interessierte – Bürger handele, die über die Gewalthandlungen letztlich nur ein „Stimulierungs- und Aggressionsbedürfnis ausleben“, fand sich keine belastbare Bestätigung. Allerdings zeigten sich bei Fußballhooligans gehäuft Probleme in den Herkunftsfamilien, in der Schul-/Berufslaufbahn sowie eine generell erhöhte Aggressionsneigung. Festzustellen waren ferner Überlappungen mit anderen Gewaltmilieus sowie auch hierarchische Strukturen mit interessanterweise biographisch weniger belasteten, dafür aber stärker aggressionsbereiten und auch vergleichsweise intelligenten Rädelsführern.7

 



Der letztgenannte empirische Befund deckt sich mit den in Medien der Polizei berichteten Erkenntnissen, wonach sich hinsichtlich ihrer Selbstkonzepte und Motivationslagen durchaus eine bildungsstrukturelle und sozial bedingte Hierarchie gewaltbereiter Fußballfans findet: „Die einen (vornehmlich mit niedrigem Bildungsniveau) finden auf der Suche nach Macht und Selbstbehauptung in der Gewalt und der Gruppe der Hooligans ihre eigene Kraft, ihr Selbstwertgefühl. Die anderen (vornehmlich mit höherem Bildungsniveau) finden auf der Suche nach Selbstdurchsetzung durch die Auslebung der Gewalt ‚authentische Erfahrungen‘ von Spannung, Abenteuer und Lust, kurz: den ultimativen Kick“.8Weitere Forschung bestätigte zudem die besagten Tendenzen der Verlagerung gewalttätiger Handlungen aus den Stadien heraus bzw. eine Zunahme spieltagsunabhängiger Gewalt sowie intensivierte Gewaltakte. Beobachtet wurden dabei u.a. – teils verabredete – Schlägereien „verfeindeter“ Fangruppen, Zusammenrottungen in Innenstädten und Vandalismus, ferner in „gangtypischer“ Weise ausgetragene Konflikte, Überfälle auf Wohnungen oder aggressive Störungen von Zusammenkünften des „gegnerischen Lagers“.9


Betrachtet man das Erleben und Verhalten von Fußballfans in einer Gesamtschau, so handelt es sich zweifelslos um ein hochkomplexes Geschehen, das in facettenreiche situative, biographische und sozialstrukturelle Kontexte eingebettet ist.10 Bei der Erklärung von ausufernder Gewalt – hier von Fußballfans – sollten mithin auch neuropsychologische und dispositionelle Aspekte mitberücksichtigt werden. Relevant ist dabei insbesondere die sog. appetitive Aggression. Darunter ist eine verhaltensbiologische Anlage zu verstehen, die zu Aggressionsverhalten motiviert und Gewaltausübungen unter positiven Affekten zulässt. Anders als bei der primär reaktiven Aggression, die darauf abzielt, sich bei einer Bedrohung zu wehren und Ärger samt emotionaler Erregung möglichst zu neutralisieren, erlaubt die appetitive Aggression gleichsam die Übertragung einer regelrechten Jagdlust auch auf Situationen mit Menschen und kann bis hin zu Prügel- und Gewaltexzessen um ihrer selbst willen führen. Die Forschung konnte zeigen, dass die – ethisch gänzlich inakzeptable – appetitive Gewalt von Cortisol- und Endorphinausschüttungen begleitet wird, was auf der Ebene des individuellen Erlebens wie ein Belohnungssystem wirkt. Die Aktivierung solch eines Prozesses erfordert es, dass moralische und kulturelle Regulations- und Hemmfaktoren neutralisiert sind, wie es bei manchen bewaffneten Konflikten etwa durch eine Entmenschlichung des Gegners oder ihm zugerechneter Gruppen der Fall ist.11


Überträgt man diese Forschungserkenntnisse auf den Fußball, so könnten auch Hooligans in einen regelrechten „Rausch“ geraten. Der Unterschied zu Kriegshandlungen bestehe allerdings darin, dass es nicht zu Tötungen komme, sondern meist bei mehr oder minder schwer Verletzten bleibe. Das Ziel vieler gewalttätiger Handlungen von Fußballfans sei es eben nicht, „gegnerische“ Fans zu töten. Vielmehr bestehe es gerade darin, „den anderen zu erledigen, ihn niederzukämpfen“ – letztlich komme es „halt immer darauf an, welche Moral die jeweilige soziale Gruppe etabliert hat, in der man sich bewegt. Um wieder auf die Hooligans zu kommen: Moralisch ist es hier durchaus erlaubt, den anderen zusammenzuschlagen, ihn blutig zu prügeln. Aber es ist nicht erlaubt, ihn zu töten. Das ist die Grenze“.12

 

4 Möglichkeiten der Gewaltprävention und -sanktionierung


Im Zusammenhang mit Fußballspielen sowohl der 1. Bundesliga als auch unteren Ligen werden Möglichkeiten der Gewaltprävention auf der Ebene von Vereins- und Faninitiativen und der Polizei sowie u.a. auch von soziologischer Seite intensiv diskutiert. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf den sog. Ultras, hoch engagierten bis fanatischen Anhängern und Unterstützern ihres jeweiligen Fußballvereins. Gemäß der Charakterisierung der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK) verstehen sich Ultras gleichsam als die wirklichen Fans, die in ihren Vereinen einen besonderen Status innehaben. Viele Ultra-Gruppen weisen eine hierarchische Struktur auf und können beispielsweise Vertreter stellen, die im Namen ihrer Gruppe mit dem unterstützten Verein kommunizieren und denen dabei etwa Zugang zu Lagerräumen ermöglicht wird, um dort Fahnen und Banner für die Spiele ihrer Mannschaft vorzubereiten.13 Wichtig ist der Hinweis, dass Ultras nicht per se als Gewalttäter angesehen werden sollten. Vielmehr finden sich im Verhalten dieser Fans Überschneidungszonen zwischen überbordendem Enthusiasmus für ihre Vereine, Gewaltbereitschaft und offenen Gewaltakten.


Nach bisherigen Erfahrungen lassen sich bei Ultras drei Strategien ansetzen, um im Spannungsfeld von Prävention und Repression die Auftretenswahrscheinlichkeit von gewalttätigem Handeln zu reduzieren:


(1) Selbstregulierung: darunter sind Maßnahmen zu fassen, die Fans dazu befähigen und motivieren, für sich selbstbestimmt Grenzen zu ziehen und die eigene Ultraszene quasi von innen heraus zu befrieden.


(2) Prävention: Realisierung und Begleitung von Fanprojekten, insbesondere soziale Arbeit mit den Ultra-Fans und auch anderen als potentiell gewaltaffin einzustufenden Fans; aktive Mitwirkung von Fanbeauftragten in Vereinen und Verbänden (Fan-Betreuungsarbeit).


(3) Aber auch Repression: Durchsetzung ordnungspolitischer Regularien durch die Polizei und die Ordnungsdienste der Vereine (Setzen und Einhaltung von Grenzen).14


Wichtig sind im Hinblick auf die Unterbindung von Gewalthandlungen durch Fußballfans zudem Intensivtäterkonzepte, die einen Austausch von Informationen und Erkenntnissen von Polizei, Staatsanwaltschaften und Gerichten beinhalten (Vernetzung). Auf solch einer auch eine zentrale Datei umfassenden Basis lassen sich namentlich gewaltbereite Rädelsführer gezielt sowohl für unmittelbare Ansprachen als auch, sofern nicht anders gangbar, für Repressionsmaßnahmen ins Visier nehmen. Letztere Maßnahmen können auch kombiniert werden, etwa ein niederschwelliger Dialog von Fanbeauftragten mit Problemfans, einhergehend mit der unmissverständlichen Ankündigung, bei Uneinsichtigkeit und Fehlverhalten beispielsweise eine Streichung von der Dauerkartenliste der Heimspiele des betreffenden Vereins durchzusetzen.15

 



Erfahrungen in anderen Ländern unterstreichen, dass die drei genannten Strategien sowie entsprechende Einzelmaßnahmen einen substantiellen Beitrag zur Verringerung von Gewaltvorkommnissen in Fußballstadien und deren Umfeld leisten können. Darüber hinaus sind, wie Beispiele aus der Schweiz (wo u.a. in Zürich eine problematische Hooligan-Szene existiert) zeigen, weitere Handlungsansätze empfehlenswert oder zumindest diskussionswürdig. Zu nennen ist dabei die Ausbildung respektive berufliche Weiterbildung von Spezialisten bei den Strafverfolgungsbehörden, die sich mit der gewaltaffinen Szene auskennen und dann möglichst frühzeitig Hinweise auf geplante Aktionen bestimmter Ultras geben. Solche Spezialisten mit profunden „Innenansichten“ der Szene können bei der Überführung der Gewaltfans entscheidend mitwirken. Das sog. Kaskadenmodell, das bei gravierenden Ausschreitungen die Schließung eines Fansektors oder sogar „Geisterspiele“ vorsieht, ist hingegen ambivalent. Schlimmstenfalls führen solche Kollektivstrafen dazu, dass sich die harmlosen Fußballfans mit den gewaltbereiten Ultras solidarisieren und auf diese Weise Probleme zusätzlich verschärfen. Sinnvoller kann es sein, personalisierte Tickets für den Stadionzugang zu vergeben, um ganz gezielt jene Hooligans „außen vor“ zu halten, die sich für gewalttätige Handlungen zu verantworten haben. Diskutiert werden in der Schweiz auch Meldeauflagen, bei denen sich solche Gewalttäter während der Zeit des Spiels auf einer Polizeidienststelle zu melden haben. Kommen sie dieser Auflage nicht nach, sind sie zu belangen. Zwar könnte man so Gewaltfans effektiv von Stadien fernhalten, jedoch würden diese Meldemaßnahmen viele personelle Ressourcen binden.16


Bedauerlicherweise gibt es Fußballhooligans, die diesen Sport – im Sinne des weiter vorn beschriebenen „Gewaltrausches“ und möglicherweise noch verstärkt durch Alkohol-/Drogenkonsum – gezielt für Exzesse nutzen und denen weder mit Anstößen zur Selbstregulierung noch mit vorbeugenden Strategien wirksam beizukommen ist.17 Solche Hooligans „fühlen sich großartig, wie in einer Art Rausch“ und gehören „deswegen auch nicht wie Kriminelle ins Gefängnis gesperrt, sondern in eine Art Suchtklinik eingeliefert“.18 Entsprechende Repressionsmaßnahmen lassen sich also als finales Mittel nicht immer vermeiden. Mithin ist es konstruktiv, wenn mittels geeigneter Präventionsmaßnahmen Gewaltrisiken bei Fußballspielen neutralisiert werden können. Erfahrungsberichte zeigen jedenfalls, dass es gerade in den unteren Ligen und im Amateurfußball sinnvoll ist, mikro- und makrosozialen Gewaltursachen durch niederschwellige und zielgruppenorientierte Präventionsstrategien zu begegnen. Die Umsetzung einer qualifizierten Sportsozialarbeit kann sich hierbei bewähren, zumal das Fan- und ebenso Spielerverhalten auch außerhalb der Profiligen wiederum nicht isoliert von gesamtgesellschaftlichen Zusammenhängen (Sozialisation, Bildungsstand, Zukunftsperspektiven) zu betrachten ist. Dabei sollte grundsätzlich angestrebt werden, die unterschiedlichen Bausteine der Gewaltprävention systematisch zu evaluieren und weiterzuentwickeln.19

5 Fazit und Ausblick


Immer wieder kommt es zu gewalttätigen Ausschreitungen von Fußballfans in den Stadien sowie auch außerhalb der Spielstätten. Ein besonderes Eskalationspotential weisen offenbar Konflikte auf, an denen Teile der sog. Ultras beteiligt sind. Nach allen bislang gewonnenen Erfahrungen gibt es nicht „die eine“ Maßnahme zur Eindämmung der entsprechenden Gewaltbereitschaft und zur Unterbindung von Hooliganismus. Vielmehr gilt es, mehrere Strategien, darunter Impulse zur Selbstregulierung von Problemfans und Präventionsarbeit unter Einbindung und aktiver Mitwirkung von Fanbeauftragten, zu berücksichtigen und miteinander zu verzahnen. Die Notwendigkeit von Polizeieinsätzen insbesondere bei Hochrisikospielen, bestimmten Derbys und dergleichen ist unstrittig. Neben der Sinnhaftigkeit von Präventionsmaßnahmen ist es ebenso unstrittig, dass es Konstellationen gibt, in denen repressive Maßnahmen umgesetzt werden sollten. Mit anderen Worten: „Je konsequenter Straftäter verfolgt werden und Prävention bei den vielen anderen angewendet wird, desto besser“.20 Zugleich sollte zukünftig die Kommunikation zwischen organisierten Fans – darunter auch Ultras – und der Polizei, unter Vermittlung erfahrener Kräfte aus der Fanbegleitung, wieder mehr intensiviert werden. Hierbei gilt es also auf eine differenziertere und qualitative Vorgehensweise abzustellen, die auf eine Aufrechterhaltung der Kommunikation setzt.21

 

Anmerkungen

 

  1. Thomas Nern ist an der Fakultät Management, Soziale Arbeit, Bauen der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst – Hildesheim/Holzminden/Göttingen als Hochschullehrer tätig. Er wurde 2011 an der Freien Universität Berlin mit einer Arbeit zur Rezeption von Sportveranstaltungen (Spiele der Fußball-Bundesliga und Fanerleben) promoviert.
  2. 49. Sportministerkonferenz (2024): Gewalt in Fußballstadien. 49. SMK-BV05/2024.
  3. Gestraffte und leicht modifizierte Wiedergabe der sechs Punkte in Anlehnung an: Ruedi Josuran (2024): Faszination Fussball: mehr als ein Spiel. ERF Medien Magazin, 07/2024, S. 31.
  4. Thomas Nern (2011): Rezeption von Sportveranstaltungen durch Fans. Eine empirische Exploration erlebnis- und verhaltensbezogener Faktoren und ihrer soziologischen Rahmenbedingungen am Beispiel von Spielen der Fußball-Bundesliga. Frankfurt am Main: Peter Lang Internat. Verl. der Wissenschaften, S. 198 ff.
  5. Gunter A. Pilz & Franciska Wölki (2005): Vom Schlachtenbummler zum postmodernen Ultra: Wandlungen des Zuschauerverhaltens im Profi-Fußball. Magazin der Universität Hannover/ Beiheft, 1/2, S. 8 (8-12).
  6. Hans-Jörg Albrecht (2006): Fußball und Gewalt. Entwicklungen, Erklärungsansätze und Prävention. Monatsschrift für Kriminologie und Strafrechtsreform, 89(3), S. 158 (158-174).
  7. Friedrich Lösel & Thomas Bliesener (2006): Hooliganismus in Deutschland: Verbreitung, Ursachen und Prävention. Monatsschrift für Kriminologie und Strafrechtsreform, 89(3), 2006, S. 229 (229-245).
  8. Gunter A. Pilz (o.J./Stand 2024): Hooligans und Ultras – Gewalt als Selbstbehauptung. Internetpublikationen, Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK), www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/jugendkriminalitaet/gewalt-auf-der-strasse/hooligans (aufgerufen im Sept. 2024); Gunter A. Pilz (2012): Von der Fankultur zum Gewalt-Event: Wandlungen des Zuschauerverhaltens im Fußball. SIAK-Journal − Zeitschrift für Polizeiwissenschaft und polizeiliche Praxis, 4, S. 61 ff. (60-71).
  9. Ebd., sowie Alexander Leistner (2008): Zwischen Entgrenzung und Inszenierung – Eine Fallstudie zu Formen fußballbezogener Zuschauergewalt. Sport und Gesellschaft, 5(2), S. 129 (111-133).
  10. Alexander Leistner (2017): Fans und Gewalt. In: Jochen Roose, Mike S. Schäfer & Thomas Schmidt-Lux (Hrsg.): Fans. Soziologische Perspektiven (Erlebniswelten). 2. Aufl. Wiesbaden: Springer VS, S. 251 (219-246).
  11. Thomas Elbert, James K. Moran & Maggie Schauer (2017): Lust an Gewalt: appetitive Aggression als Teil der menschlichen Natur. Neuroforum, 23(2), S. 96 f. (96-104).
  12. Thomas Elbert (2015): Aussagen im Interview mit Christoph Cöln zum Thema Gewaltforschung/ Hooligans. Welt, 23.7.2015, www.welt.de/sport/fussball/article144324610/Hooligans-funktionieren-wie-Kindersoldaten.html (aufgerufen im Sept. 2024).
  13. Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK) (o.J./Stand 2024): Ultras. www.polizeifuerdich.de/deine-themen/gewalt/ultras/ (aufgerufen im Sept. 2024).
  14. Pilz, Hooligans und Ultras, siehe Anm. 8.
  15. Polizei Dein Partner – Gewerkschaft der Polizei (Präventionsportal): Gewalt beim Fußball. Beitrags-Verlinkungen (Stand 2024), www.polizei-dein-partner.de/themen/gewalt/fussball.html (aufgerufen im Sept. 2024).
  16. Fabian Baumgartner (2024): Im Kampf gegen militante Fußball-Ultras herrscht kollektive Ratlosigkeit. Dabei gäbe es Instrumente. Neue Zürcher Zeitung, 8.2.2024, www.nzz.ch/meinung/im-kampf-gegen-fanatische-fussball-ultras-herrscht-kollektive-ratlosigkeit-ld.1777513 (aufgerufen im Sept. 2024).
  17. Nern , siehe Anm. 4, S. 201.
  18. Elbert, siehe Anm. 12.
  19. Fatih Kaya, Helmuth Schweitzer & HacI-Halil Uslucan (2024): Mit Sportsozialarbeit gegen Gewalt im Amateurfußball!? Sozial Extra, 48, S. 248 (244–249).
  20. Baumgartner, siehe Anm. 16.
  21. Thorsten Poppe (2024): Gewalt im Fußball. Mangelnde Kommunikation verschärft den Konflikt. Experteninterviews (Jochen Kopelke, Gewerkschaft der Polizei; Harald Lange, Oliver Wiebe, Fanforschung/ Fanbegleitung). Deutschlandfunk, 14.1.2024,  www.deutschlandfunk.de/gewalt-fussball-stadion-polizei-fans-100.html (aufgerufen im Sept. 2024).