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Masterstudiengang Kriminalistik – Brandenburg geht innovative Wege

4 Gliederung des Studiums


In Vorbereitung auf das später folgende Modulhandbuch wurde eine Gliederung des Studienganges vorgestellt, die folgende 13 Module vorsieht:

  1. Propädeutikum
  2. Strategische und operative Kriminalitätsbekämpfung
  3. Ermittlungsstrategien und -taktiken
  4. Internationale Zusammenarbeit
  5. Verdeckte Ermittlungen und besondere Ermittlungsmethoden
  6. Kriminaltechnik und forensische Wissenschaften
  7. Gefährdungseinschätzungen und gefahrenabwehrende Maßnahmen im kriminalpolizeilichen Kontext
  8. Cybercrime
  9. Politisch Motivierte Kriminalität
  10. Organisierte Kriminalität
  11. Wirtschaftskriminalität
  12. Delikte am Menschen und andere Erscheinungsformen der Schwerstkriminalität
  13. Mastermodul


Im Rahmen der Interessentenbörse fiel zunächst auf, dass bis dahin keine Kriminologie-Bausteine vorgesehen waren. In der nunmehr überarbeiteten Fassung finden sich kriminologische Lehrinhalte bereits in Modul 1, das sich nun in die Abschnitte „Einführung in das kriminalwissenschaftliche Studium, Studienmethodik/ wissenschaftliches Arbeiten“, „Einführung in besondere Methoden der Kriminalitätsbekämpfung“ und „Praxisphase/ Verwendung Fachdienststelle(n)“ gliedern soll. Ohne hier ausführlich auf Studieninhalte einzugehen, kann der Brandenburger Fachhochschule bereits an dieser Stelle bescheinigt werden, dass man dort einen außerordentlich anspruchsvollen und insgesamt inhaltlich schlüssigen Studiengang kreiert hat.

 

5 Zielgruppen


Als Zielgruppe für den Studiengang sollen in erster Linie Polizeivollzugsbedienstete im sog. gehobenen Dienst mit einschlägiger beruflicher Erfahrung in Betracht kommen. Die Öffnung des Studienganges für Polizeivollzugsbedienstete anderer Länder bzw. des Bundes sowie im Einzelfall für Externe, z.B. Staatsanwälte, ist vorgesehen. Aktuell werden laufbahnrechtliche Fragen und solche des Zulassungsverfahrens diskutiert.

 


Campus der Fachhochschule der Polizei des Landes Brandenburg.

 

6 Interessentenbörse und ambitionierter Zeitplan


Die am 15. Januar 2019 an der Fachhochschule in Oranienburg durchgeführte „Interessentenbörde“ führte mehr als 100 Teilnehmer zusammen. Die FHPol stellte nicht nur die Idee und das inhaltliche Gerüst des neuen Studienganges vor. Sie sondierte dabei auch Kooperationsmöglichkeiten mit Vertretern des Landes Brandenburg und weiterer interessierter Bundesländer, Sicherheitsbehörden, Hochschulen und privaten Bildungsdienstleistern. Mir als Teilnehmer fiel insbesondere die außerordentlich offene und konstruktive Gesprächsatmosphäre auf, die neben den ausgezeichneten inhaltlichen Vorarbeiten zum Studiengang ein Garant für das Gelingen des Projektes Masterstudiengang Kriminalistik sein kann und sein wird.

 


Spurensuche und -sicherung als wichtiger Bestandteil des Studiums.

Die ersten Studierenden des Masterstudienganges sollen im Oktober 2020 immatrikuliert werden. Dem vorgeschaltet ist das entsprechende Akkreditierungsverfahren. Das wiederum bedeutet, dass im Spätsommer dieses Jahres die wesentlichen Dokumente für die Akkreditierung, z.B. die Qualifikationsziele, das Studiengangskonzept sowie alle Angaben zur personellen, sachlichen und räumlichen Ausstattung, dokumentiert sein müssen. Dann folgt das eigentliche Akkreditierungsverfahren, das eine tiefgründige Überprüfung des gesamten Studienmodells und der Rahmenbedingungen zum Gegenstand haben wird.

 

7 Ausblick


Mit der geplanten Einführung eines Masterstudienganges Kriminalistik, erstmals eingerichtet an einer polizeilichen Bildungseinrichtung, wird sich eine weitere Ausdifferenzierung der Bildungslandschaft in Bezug auf die Kriminalwissenschaften vollziehen. Neben den Masterstudiengängen an der Ruhr-Universität Bochum und der Steinbeis-Hochschule Berlin sowie dem „Weiterbildenden Masterstudiengang Kriminologie an der Universität Hamburg soll der akademische Grad eines Masters neben der DHPol nunmehr auch durch eine Polizei-Fachhochschule verliehen werden. Man kann es drehen und wenden wie man will, hier kündigt sich eine Zeitenwende an. Die verschiedenen Studienangebote (… selbst wenn das Brandenburger Modell bisher keinen Zugang zum höheren Dienst vorsieht) rütteln an der bisher unangefochtenen Stellung der DHPol als Ausbildungsstätte für das Management der deutschen Polizeien. Gleichzeitig sind diese Entwicklungen auch Beleg dafür, dass die bereits seit langer Zeit (z.B. durch die Deutsche Gesellschaft für Kriminalistik6) erhobenen, jedoch immer wieder abgelehnten Forderungen nach Einrichtung eines zweiten Studienganges Kriminalistik in Münster ein Ventil suchen.7

Die gegenwärtig von der Fachhochschule der Polizei Brandenburg vorgestellte Grundidee und die inhaltliche Strukturierung des Studienganges dürften einerseits wissenschaftlichen Ansprüchen an einen Masterstudiengang durchaus entsprechen. Andererseits scheinen sie auch den polizeipraktischen Anforderungen sehr gut zu genügen. Und nicht zuletzt wird dieser Studiengang einen weiteren und wichtigen Schritt in der Fortentwicklung der Hochschullandschaft im kriminalwissenschaftlichen Betrachtungsfeld leisten und damit die deutsche Kriminalistik auch im internationalen Kontext aufwerten.

Den Verantwortlichen der Fachhochschule und allen an der Entwicklung und Etablierung des Studienganges Beteiligten ist unbedingt gutes Gelingen und breite Unterstützung nicht nur aus den Polizeien des Bundes und der Länder zu wünschen.

Bildrechte: FHPolB.

Anmerkungen

 

    1. LKD a.D. Ralph Berthel studierte Rechtswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin. Von 2001 bis 2005 war er Dozent für Kriminalistik an der damaligen PFA in Münster-Hiltrup (heute: DHPol). Von 2005 bis 2013 leitete er die Hochschule der Sächsischen Polizei (FH) in Rothenburg/O.L. und unterrichtete Kriminalistik im Masterstudiengang „Öffentliche Verwaltung – Polizeimanagement“. Von 2013 bis 2015 leitete er das Projekt „Die sächsische Polizei im digitalen Zeitalter - Die Nutzung von sozialen Netzwerken und von Mobilfunk-Applikationen (Polizei-App) durch die sächsische Polizei (DigiPol)“. Von 2015 bis 2019 war Ralph Berthel Abteilungsleiter im LKA Sachsen. Er ist Ehrenprofessor (Pocetnyi Professor) der Belgoroder Juristischen Hochschule des Ministeriums des Innern Russlands und Dozent im Masterstudiengang Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum. Der Autor ist Gründungsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Kriminalistik e.V. Erreichbarkeit: ralph-berthel(at)web.de.
    2. European Credit Transfer and Accumulation System.
    3. https://web.archive.org/web/20080911042655/http://www.bologna-bergen2005.no/EN/BASIC/050520_Framework_qualifications.pdf, Abruf: 6.2.2019. 
    4. https://www.school-grc.de/studium/master-kriminalistik.html, Abruf: 5.2.2019.
    5. https://www.bdk.de/lv/rheinland-pfalz/aktuelles/masterstudiengang-kriminalistik/?searchterm=Masterstudiengang, Abruf: 6.2.2019.
    6. Ackermann, R. Kriminalistik – Wissenschaft – Gesellschaft, In: Kriminalistik – gestern – heute – morgen, 2013, S. 41.
    7. Die Deutsche Gesellschaft für Kriminalistik hatte bereits in ihrem 2003 verabschiedeten Wolfsburger Programm die Forderung erhoben, die Kriminalistik interdisziplinär als eigenständiges Lehrgebiet universitär zu verankern. „Wolfsburger Programm“ der DGfK vom 12. Dezember 2003, In: Artkämper/Clages, Kriminalistik – gestern – heute – morgen, 2013, S. 531.
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