Wissenschaft  und Forschung
  Sie sind hier > Ausgaben / 2017 / März 

Islam

Von Bernd Kratzer, Kriminalhauptkommissar, München

 

1. Einleitung


Derzeit gibt es nahezu rund um den Erdball, vor allem aber im Nahen Osten, Teilen Afrikas und Asiens Kriege, Bürgerkriege und sonstige bewaffnete Konflikte. Auch ist eine Bedrohung durch mögliche terroristische Anschläge nahezu weltweit gegeben.

Die Ursachen dieser Handlungen sind häufig religiös und oder kulturell bedingt. Sehr häufig sind an diesen Auseinandersetzungen islamische Gruppen ursächlich beteiligt. Da der Islam, wie fast alle Religionen, eine Vielzahl von Glaubensrichtungen und Strömungen aufweist, werden die wichtigsten hier aufgelistet und zum Teil kurz erklärt.

 

Diese Ausarbeitung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und wurde nicht nach den gültigen wissenschaftlichen Regeln erarbeitet. Auch beinhaltet die Ausarbeitung keine Schuldzuweisung an den Ursachen der Auseinandersetzungen.
Ziel dieser Ausarbeitung ist eine sehr vereinfachte Darstellung der Zugehörigkeit der Konfliktparteien zu den Hauptströmungen des Islam.

2. Der Islam


Der Islam ist eine monotheistische Religion, die im frühen 7. Jahrhundert in Arabien durch den Propheten Mohammed gestiftet wurde. Mit 1,6 Milliarden Anhängern ist sie nach dem Christentum heute die zweitgrößte Weltreligion. In Deutschland bekennen sich etwa fünf Prozent der Bevölkerung zum Islam.
Der arabische Begriff Islam (islam / ) bedeute vereinfacht „Unterwerfung unter Gott„ oder auch „völlige Hingabe an Gott„. Die Bezeichnung für denjenigen, der dem Islam angehört, ist Muslim. Die eigentliche Bedeutung von Muslim ist also „derjenige, der sich Gott unterwirft„. Im deutschsprachigen Raum wird dieser Begriff auch als Moslem wiedergegeben. Eine Definition für den Islam findet man im Koran nicht, sondern nur in den Berichten über den Propheten. Der Islam besteht nach dieser Hadith (Überlieferungen der Aussprüche und Handlungen des Propheten Mohammed) aus:

  • Das Bekenntnis, dass es keinen Gott gibt außer Gott und dass Mohammed der Gesandte Gottes ist,
  • den 5 täglichen Pflichtgebeten,
  • der Wohltätigkeit gegenüber Mitmenschen (Armenabgabe),
  • das Fasten im Ramadan,
  • Die Pilgerfahrt nach Mekka, wenn man dazu in der Lage ist.
  • Dies wird auch als die fünf Säulen des Islam bezeichnet.

Der Islam teilt sich in mehrere hier nicht abschließend aufgeführte Richtungen:

  • Die Sunniten mit ihren Rechtsschulen, die sich wiederum in Hanafiten, Malikiten, Schafiiten, Hanbaliten und den an die Hanbaliten angelehnten Wahhabiten teilen.
  • Die zweitgrößte Glaubensrichtung des Islams, die Schiiten mit den Imamiten oder Zwölferschia, die Zaiditen oder Fünferschia, den Aleviten – welche nicht mit den ebenfalls den Schiiten zuzurechnenden Alawiten bzw. Nusairier zu verwechseln sind.
  • Der Sufismus mit hauptsächlich esoterischen Aspekten.


Aus dem schiitischen Islam haben sich die eigenständigen Religionen der Drusen, des Babismus und die Religion der Baha’i entwickelt.

2.1 Sunnitischer Islam

Die Sunniten bilden mit ca. 85 % der gläubigen Moslems die größte Glaubensrichtung im Islam. Sie werden als Volk der Tradition bezeichnet. Die Bezeichnung Sunniten stammt von dem Wort Sunna, die Tradition des Propheten des Islam, Mohammed. Sunnitische Muslime werden auch als Volk der Tradition und der Einheit der Muslime bezeichnet, was darauf hinweisen soll, dass die Sunniten vereinigt sind. Sie stellen einen Zweig des Islams dar, der dem von Abu Bakr gegründeten Kalifat entstammt.
Sunniten stellen in den meisten islamischen Ländern die Mehrheit der Muslime, mit Ausnahme von Iran, Irak, Oman, Libanon, Aserbaidschan sowie Bahrain.
Die Sunniten lassen sich nach den Rechtsschulen Madhhab in Hanafiten, Malikiten, Hanbaliten und Schafiiten einteilen.

2.1.2 Wahhabiten

Als Wahhabiten werden die Anhänger einer puristisch-traditionalistischen Richtung des sunnitischen Islams bezeichnet, die der hanbalitischen Rechtsschule folgen. Die Bewegung gründet sich auf die Lehren Muhammad Ibn Abd al-Wahhabs. Die Wahhabiten lehnen den Sufismus, den Kalam und auch alle Formen des schiitischen Islams ab. Sie wenden sich darüber hinaus auch strikt gegen Heiligenverehrung, Wallfahrten zu Gräbern und die Feier des Prophetengeburtstags.
Die Anhänger Ibn Abd al-Wahhabs nehmen für sich in Anspruch, die islamische Lehre authentisch zu vertreten. Glaubensauffassungen, die mit dem Wahhabismus nicht vereinbar sind, werden von ihnen in der Regel als unislamisch deklariert. Die meisten Wahhabiten leben heute in Saudi-Arabien.
Die Bezeichnung „Wahhabiten“ wird nur von Gegnern dieser Gruppierung verwendet. Sie selbst bezeichnen sich in der Regel nicht so, sondern als Salafis oder einfach als Sunniten. In Deutschland sind sie vor allem unter dem Begriff Salafisten bekannt.

Seite: 1 2 3 4 5 weiter >>

Service

Aktivitäten

Über diese Suchfunktion finden Sie bundesweit kriminal-polizeiliche Beratungsstellen
Beratungsstellensuche

Newsletter

Sicherheitsbehörden in Deutschland

Aktuelle Ausgabe

Mit ihrem aktuellen und vielfältigen Themenspektrum, einer Mischung aus Theorie und Praxis und einem Team von renommierten Autorinnen und Autoren hat „Die Kriminalpolizei“ sich in den vergangenen Jahren einen ausgezeichneten Ruf erworben. 

Über die angestammte Leserschaft aus Polizei, Justiz, Verwaltung und Politik hinaus wächst inzwischen die Gruppe der an Sicherheitsfragen interessierten Leserinnen und Lesern. Darüber freuen wir uns sehr. [...mehr]

30 Jahre "Die Kriminalpolizei"

Die Kripo – wie wir sie intern gern nennen – feiert mit dieser Ausgabe ihren 30. Geburtstag. Nicht von Anfang an, aber seit 1999 begleitet der VERLAG DEUTSCHE POLIZILITERATUR die „Kripo“. Und sie ist uns nicht nur als Fachzeitschrift des Verlags der Gewerkschaft der Polizei sehr ans Herz gewachsen. Gerade die redaktionell hochwertigen Artikel aus Wissenschaft und Praxis in Kombination mit einer fachkompetenten und sehr engagierten Redaktion machen das Verlegen dieses Fachmagazins leicht.  [zu den Jubiläumsseiten als PDF]

Erklärung einschlägiger Präventions-Begriffe

Top-News

Zunehmend ermitteln Menschen privat in eigener Sache. Sie versuchen, mit Hilfe von sozialen Netzwerken ein gestohlenes Fahrrad wiederzufinden.  Andere tauschen  Informationen „rund um die...[mehr lesen]

Die gemeinsame Übung von Polizei und Bundeswehr ist nach Meinung von Bundesinnenminister Thomas de Maizière eine erfolgreiche Antiterror-Übung gewesen und sollte bei Gelegenheit wiederholt werden....[mehr lesen]

Meist gelesene Artikel

RSS Feed PolizeiDeinPartner.de

Hat dir auf einer Party schon mal jemand Drogen angeboten? Hier bekommst du wichtige Informationen,...
Die Polizei nahm im Jahr 2016 rund 2,6 Millionen Unfälle auf – 2,8 Prozent mehr als noch im Jahr...
In Chaträumen können Kinder Kontakte knüpfen und sich mit Gleichaltrigen austauschen. Dadurch, dass...
Wenn Kinder ihre ersten Erfahrungen mit Chats im Internet machen, ist ihnen oftmals nicht bewusst,...
Viele junge Menschen probieren im Rahmen ihrer Selbstfindung verschiedene Dinge aus und...